03 Dez

Demonstration für bezahlbaren Wohnraum

„Für gemeinschaftliches, bezahlbares Wohnen! Jetzt!“  Mit dieser Forderung demonstrierte  die  Bürgerinitiative  „gemeinsam anders wohnen“  auf dem Holzkirchner  Marktplatz für mehr Wohnraum und gegen die scheinbare Untätigkeit  der Marktgemeinde bei diesem Thema. Mit einem Wohnzimmer auf der Straße hat die Initiative aufgezeigt, wie wichtig eine bezahlbare Wohnung für alle Holzkirchner ist. Als Beispiel nannten sie das Bauvorhaben in der Maitz, bei dem die Grundstücke in Erbpacht mittels Konzeptvergabeverfahren verteilt werden sollen. Das beschloss der Gemeinderat bereits im Juli (wir berichteten), die Vergabe beginnt laut Initiative-Vorsitzendem Sebastian Oppermann allerdings erst im Sommer 2020. Das könne er nicht nachvollziehen. Außerdem werde die bezahlbare Warmmiete von 30 Prozent des Nettoeinkommens in Holzkirchen bei vielen Berufsgruppen überschritten. Das müsse sich ändern.

[Merkur, 03.12.2019]

01 Dez

Für gemeinschaftliches, bezahlbares wohnen! JETZT!

Mit dieser Forderung informierte die Bürgerinitiative „gemeinsam anders wohnen“ am vergangenen Samstag auf dem Marktplatz in Holzkirchen über die scheinbare Untätigkeit der Marktgemeinde.

Die Marktgemeinde wurde bereits im Juli vom Gemeinderat damit beauftragt die Grundstücke in der Maitz in Erbpacht mittels Konzeptvergabeverfahren zu vergeben. Dieses Vergabeverfahren wird aus für die Initiative nicht nachvollziehbaren Gründen jedoch frühestens im Sommer 2020 starten.

Mit einem Wohnzimmer auf der Straße hat die Initiative aufgezeigt, wie wichtig eine bezahlbare Wohnung für alle Holzkirchner ist. Als bezahlbar gilt dabei eine Warmmiete die maximal 30 % des Nettolohns ausmacht. „Diese Grenze ist bei Friseuren, Handwerkern, Polizisten, Verwaltungsangestellten und erst recht bei Rentnern bei Mieten zwischen 12 und 16 Euro pro m2 in Holzkirchen weit überschritten“, so der Initiator Sebastian Oppermann. Seine Mitstreiterin Alexandra Oldenburg ergänzt, „wir wollen, dass diejenigen, welche hier ihren Lebensmittelpunkt haben, auch hier dauerhaft gemeinschaftlich und bezahlbar wohnen können.“ Die Initiative forderte die Interessierten Bürgerinnen und Bürger auf sich einzumischen, im Rathaus und bei Gemeinderäten selbst nachzufragen und sich ein eigenes Bild zu machen. Denn das Thema bezahlbarer Wohnraum gehe im Hinblick auf Erzieher, Verkäufer und all jene auf die wir im täglichen Leben angewiesen sind, auch diejenigen etwas an, die bereits ein Dach über dem Kopf haben, so Oppermann abschließend.

15 Nov

Baugenossenschaft Holzkirchen: Weinmann hört auf – Neubau in vier Jahren

Holzkirchen – Die Rufe werden immer lauter: Holzkirchen braucht zusätzlichen Mietwohnraum, am besten bezahlbar. Viele Blicke richten sich auf die Baugenossenschaft Holzkirchen, die aber auch keine schnellen Lösungen liefern wird.

Die 93. Generalversammlung am Samstag stand erst einmal im Zeichen eines fast epochalen Personalwechsels. Nach 40 Jahren gab Vorstandsvorsitzender Bernd Weinmann die Verantwortung ab; zu seinem Nachfolger kürten die 62 stimmberechtigten Mitglieder Torsten Altevers.
Der 36-Jährige weiß, dass die Nachfrage nach Wohnungen ständig steigt. „Unsere Wartelisten sind randvoll“, sagt der neue Vorstandsvorsitzende. Kein Wunder: Die Mieter zahlen maximal sieben Euro für den Quadratmeter. Doch Altevers bremst die Erwartungen. Nach den teuren Renovierungen der vergangenen Jahre – seit 2009 investierte die Genossenschaft rund zehn Millionen Euro – gönnt man sich 2020 ein Jahr des Verschnaufens, ehe 2021/2022 die Sanierung der letzten Einheiten in der Baumgartenstraße – der alte „Polizistenblock“ – und in der Tegernseer Straße anstehen. „Die Leute müssen teilweise noch mit dem Ölkännchen heizen – das muss ein Ende haben“, sagt Altevers, der selbst mit seiner Frau seit zehn Jahren in einer der 219 Genossenschaftswohnungen lebt und als Polizist arbeitet. In diesem Jahr standen neben den üblichen Renovierungen bei Mieterwechseln Balkonsanierungen in der Birkenstraße an, die allein über 200 000 Euro verschlangen.

Frühestens ab 2023 will sich die Genossenschaft mit dem schon länger anvisierten Neubau in der Lindenstraße beschäftigen, wo man über ein baureifes Grundstück verfügt. „Aber wir können nicht zaubern“, sagt Altevers, „ich kann da heute nichts versprechen.“
Nach der Verabschiedung von Weinmann, dem auch Bürgermeister Olaf von Löwis seinen Dank aussprach, musste der dreiköpfige Vorstand wieder komplettiert werden. Neben Altevers wurde Hans Nitsch für weitere drei Jahre bestätigt; neu ins Gremium rückte Christine Blank, die als langjährige Bürokraft der Genossenschaft alle Abläufe schon sehr genau kennt.

[Merkur, 15.11.2019]

Link zum Online-Artikel

07 Okt

Wohnungsangebot der Genossenschaft „Oase Thalham“

Das genossenschaftliche Wohnprojekt „Oase Thalham“ hatte am 5. August diesen Jahres Grundsteinlegung. Die Errichtung der Gebäude erfolgen in Holzständerbauweise. Der Einzug ist für Oktober 2020 geplant. Derzeit sind noch zwei Wohnungen zu vergeben (jeweils ca. 83qm). Es werden vor allem noch Paare oder kleine Familien gesucht, um das Gesamtkonzept Wirklichkeit werden zu lassen. Weitere Informationen gibt es auf http://www.oase-thalham.de.

Franz versucht darüber hinaus am Mittwoch, 09.10.2019 um 20:00 Uhr an unserem Stammtisch im KulturCafe in Holzkirchen teilzunehmen, um von der Initiative und dem Baufortschritt zu berichten.

27 Sep

100 Jahre Baugenossenschaft Holzkirchen

Führungsriege im Interview über Herausforderungen und Pläne

Die Baugenossenschaft Holzkirchen feiert Jubiläum. Heuer vor 100 Jahren im ersten Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in der noch jungen Republik, als große Wohnungsnot herrschte wurde sie gegründet, um preisgünstiges Wohnen in der Marktgemeinde zu ermöglichen. Heute zählt die Gemeinschaft 288 Mitglieder und 219 Wohnungen. Ehe die Genossenschaft am morgigen Samstag ihr Jubiläum mit einem Festabend mit Mitgliedern, Mietern und Ehrengästen begeht, trafen wir uns zum Gespräch über aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne mit Vorstandsvorsitzendem Bernd Weinmann und Aufsichtsratsvorsitzendem Werner Bauer.

Was sind derzeit die drängendsten Probleme auf dem Holzkirchner Wohnungsmarkt?

Weinmann: Dass die Kaltmiete auf dem freien Wohnungsmarkt bis zu 14 Euro pro Quadratmeter beträgt, stellt ein großes Problem dar. Wer kann sich denn so eine Miete leisten? Dann natürlich auch die Nähe zu München. Die Leute wollen auf dem Land leben, weil in München die Wohnsituation sehr schlimm ist. Das sorgt für einen großen Druck auf den Wohnungsmarkt. Wir haben derzeit über 200 Bewerbungen auf der Warteliste.

Was kann die Baugenossenschaft gegen diese Probleme tun?

Bauer: Wir versuchen. den Mietern günstigen Wohnraum anzubieten. Die teuersten Wohnungen vermieten wir mit einer Kaltmiete von 8,50 Euro pro Quadratmeter, viele Wohnungen sind aber günstiger, die meisten liegen derzeit bei 7,50 Euro. Unser Ziel ist es eigentlich, neuen Wohnraum zu schaffen. Aber die Grundstückspreise sind so teuer, dass es im Moment nicht geht. Daher liegt unser Augenmerk derzeit auf der Renovierung  der bestehenden Wohnungen. Wir wollen sie auf einen modernen Standard heben. In den vergangenen zehn Jahren haben wir dazu acht Millionen Euro ausgegeben. Und jetzt sind wir fast fertig damit.

Herr Weinmann, seit 40 Jahren sind Sie Vorstandsvorsitzender und haben in Ihrer Zeit die Geschicke der Baugenossenschaft mitgestaltet. Gibt es Veränderungen, die Sie im Laufe der Zeit wahrgenommen haben? Etwa, was die Ansprüche der Mieter angeht?

Weinmann: Natürlich gibt es heute gewisse Standards, die eine Wohnung haben muss und die auch verlangt werden, etwa eine Zentralheizung. Auch einen Balkon oder eine Terrasse mögen die Leute gerne. Wir erleben aber auch, dass sich Mieter schwer damit tun, wenn eine Wohnung im dritten Stock keinen Aufzug hat. Wenn man Kinder hat, ist das auch schwierig. Vielfach wollen die Menschen sich auch nicht mehr für die Gemeinschaft engagieren. Früher haben die Hausbewohner zum Beispiel zusammen Schnee geschaufelt. Heute will man lieber einen Hausmeister für solche Tätigkeiten. Aber wir sind insgesamt sehr zufrieden mit unseren Mietern, die sind dankbar und kümmern sich. Das muss man auch einmal sagen.

Wie kommt man denn an eine Genossenschaftswohnung? Gibt es Kriterien für die Vergabe?

Bauer: Wenn jemand einen Aufnahmeantrag stellt, dann prüfen wir den zuerst. Dabei steht die Bedürftigkeit an erster Stelle. Wir schauen zum Beispiel auf das Einkommen oder ob jemand alleinerziehend ist. Neuerdings ist uns wichtig, Wohnraum für Menschen zu schaffen, die Berufe haben, über die immer nur geredet, aber für die nichts getan wird. Erzieherinnen, Altenpfleger oder Krankenschwestern etwa haben es oft schwer, eine Wohnung zu finden. Der Vorstand und der Aufsichtsrat entscheiden dann gemeinsam, wer in Frage kommt. Uns kommt es dabei auch darauf an, dass die neuen Mieter in die Gemeinschaft passen. Die Leute sollen ja zusammenkommen, ratschen und so den Genossenschaftsgedanken leben. Viele Menschen wohnen schon über 50 oder 60 Jahre in ihrer Wohnung. Daher gibt es nicht so oft Veränderungen.

Und wie geht es in Zukunft weiter? Wie sind die Pläne der Baugenossenschaft?

Bauer: Unser Ziel ist es Wohnraum zu schaffen. Wenn möglich, nehmen wir bald den Bau in der Lindenstraße in Angriff. Aber im Moment geht es noch nicht. Ansonsten schauen wir, dass die Sanierungen, wie bisher, gut vollendet werden.

Das Gespräch führte Andreas Wolkenstein

[Merkur, 27.09.2019]

20 Jul

Das deutsche Grundgesetz mit Leben erfüllen

70 Jahre Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland ist ein Grund zu feiern, meinte Volker Camehn und lud sich sechs Vertreter von Initiativen ins Foolstheater ein, die ihre Auslegungen und ihre Wünsche formulierten. Der Poet selbst würzte mit seinen Gedichten.

„Wie oft kommt das Wort „Liebe“ im Grundgesetz vor?“ fragte der Otterfinger das Publikum und antwortete: „Einmal, nämlich im Wort Kriegshinterbliebene.“ Und wurde dann ernst. Das Grundgesetz, als Provisorium gedacht, sei eine fragile Angelegenheit. „Man muss dafür streiten“, sagte Volker Camehn. Und eigentlich dürfe man der AfD dankbar sein, dass sie Änderungen des Grundgesetzes fordere, denn so werde man wieder einmal sensibilisiert dafür, wie wichtig dieses Papier sei. Man müsse allen dankbar sein, die das Grundgesetz mit Leben erfüllen.

Grundgesetz ist wunderbares Grundgerüst

Alle sechs Diskutanten waren sich einig, dass das deutsche Grundgesetz ein wunderbares Grundgerüst sei, das insbesondere in die Schulen gehöre und dessen Einhaltung von der Zivilgesellschaft eingefordert werden müsse.

Eigentum verpflichtet

Die Bürgerinitiative „Gemeinsam anders wohnen“ möchte mit ihrem Genossenschaftsmodell bezahlbaren Wohnraum in Holzkirchen schaffen, wobei der Gemeinschaftsgedanke im Vordergrund steht.

Initiator Sebastian Oppermann bezog sich auf Artikel 14, in dem steht, dass Eigentum nicht nur geschützt werden muss, sondern auch verpflichtet. Eigentum darf also nicht zum Schaden anderer verwendet werden, deshalb sei der Genossenschaftsgedanke der Idealzustand im Sinne des Grundgesetzes.

[…]

Der komplette Artikel ist hier zu finden: https://www.kulturvision-aktuell.de/grungesetz-podiumsdiskussion-kultur-im-oberbraeu-holzkirchen-2019/

18 Jul

Erbpacht beschlossen

Holzkirchen bereitet Konzeptvergabe vor

Holzkirchen – Der Gemeinderat hat am Dienstag beschlossen, die Grundstücke an der Maitz nach dem Konzeptvergabeprinzip an eine Genossenschaft oder Baugemeinschaft in Erbpacht zu vergeben. Im Gegensatz zur Direktvergabe, bei der der Marktpreis erzielt wird, und zum Bieterverfahren, bei dem der Meistbietende den Zuschlag bekommt, zählen bei der Konzeptvergabe nur inhaltliche Kriterien: Wer das überzeugendste Konzept hat, bekommt den Zuschlag. Holzkirchen hofft. so auf den beiden 988 und 1288 Quadratmeter großen Grundstücken bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Wie berichtet hatte der Gemeinderat bereits Anfang Juli darüber beraten.

Die Fraktionen sind nun aufgerufen, Ideen für Kriterien einzureichen. Die Verwaltung erarbeitet daraus dann ein Konzept. Mögliche Kriterien hierfür sind laut Marktbaumeister Florens Hintler unter anderem die Miethöhe, Zielgruppen, spezielle Nutzungsangebote wie eine Großtagespflege. Außerdem städtebauliche und ökologische Faktoren. Simon Ammer (SPD) schlug vor, günstige Mieten zum Hauptkriterium zu machen. Christoph Schmid (CSU) regte an, den Bewerbern die genaue Miethöhe vorzugeben, den Erbpachtzins dagegen offenzulassen. Den sollten die Bewerber vorschlagen. Sebastian Franz (CSU) regte an, Wohnraum für Azubis und Studenten zu schaffen. Er stellte sich damit hinter die Forderung der JU Holzkirchen, die an der Maitz ebenfalls Wohnraum für junge Menschen mit geringem Einkommen schaffen will. Hubert Müller (FWG) mahnte, nicht zu viele Vorgaben zu machen, die die Kosten möglicherweise in die Höhe treiben und damit der Idee der günstigen Mieten zuwiderlaufen könnten.

[Merkur, 18.07.2019]

07 Jul

Hoffentlich nicht nur in der Maitz

Neue Wege zu bezahlbarem Wohnraum

Mit Freude hat die Bürgerinitiative „Gemeinsam ɐnders wohnen“ den Beschluss des Hauptausschusses der Marktgemeinde zur Kenntnis genommen. Dieser hat beschlossen, dass die zwei, schon seit längerem, brach liegenden Gemeindegrundstücke in der Maitz in Erbpacht und mittels eines Konzeptwettbewerbes vergeben werden sollen. „Nachdem unser Antrag zur Erbpacht im Gemeinderat wegen Formfehlern abgelehnt wurde, freut es mich umso mehr, dass die Gemeindeverwaltung und die Mitglieder des Hauptausschusses unsere Idee der Erbpacht aufgegriffen haben“, so der sichtlich begeisterte Sprecher der Initiative Sebastian Oppermann. „Ich hoffe nun, dass dies der Auftakt des seit langem ersehnten Programms zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ist.“

So sieht die Bürgerinitiative auch bei dem Areal in der Tölzer Straße die Marktgemeinde in der Pflicht. „Das fantastische Ortsentwicklungskonzept an der Tölzer Straße, welches der Gemeinde kürzlich präsentiert wurde, muss auch HolzkirchnerInnen eine dauerhafte Wohnperspektive geben. Denn geschickt umgesetzt, wird das neue Quartier den MitarbeiterInnen der Kita und des Nahversorgers nicht nur Arbeitsstätte, sondern auch deren Wohnort sein“, so Oppermann weiter. Die Initiative verweist dabei auf die letzten Fallzahlen: Tagtäglich verlassen 4.000 Pendler Holzkirchen, 4.500 Arbeitnehmer pendeln jedoch ein. Sie sieht diese Zahl der Einpendler aufgrund der aktuellen Wohnsituation in Holzkirchen weiter steigen. „Wir von „Gemeinsam ɐnders wohnen“ sind der festen Überzeugung, dass vor allem bezahlbarer Wohnraum dazu beitragen wird, dass der Verkehr an den Einfallstraßen abnimmt und Holzkirchner Geschäfte sowie die Gemeinde selbst wieder mehr Mitarbeiter finden“. Auf die abschließende Frage, ob sich die Bürgerinitiative auf die kleineren Grundstücke in der Maitz bewerben möchte, hieß es „ja, und auf das potentielle Grundstück in der Tölzer Straße ebenfalls. Bei Bedarf auch mit Kooperationen weiterer Genossenschaften.“

06 Jul

Eine große Chance

In der Maitz: Hauptausschuss empfiehlt preisgünstiges Wohnen / Vergabe nach Kriterienkatalog

Holzkirchen – Günstiger Wohnraum ist  heiß begehrt, vor  allem in einer rasch wachsenden Gemeinde wie Holzkirchen. In der Maitz sollen zwei Mehrfamilienhäuser entstehen, in denen auch „untere und mittlere Einkommensgruppen“ preisgünstig wohnen können, erklärt die Marktgemeinde. Die Entscheidung fällt mittels Kriterienkatalog. Der Hauptausschuss diskutierte am vergangenen Dienstag, wie diese Kriterien aufgestellt werden sollen.

Die aktuelle Planung sieht auf zwei Grundstücken insgesamt zwei Baufenster für jeweils ein Einzelhaus mit je einer maximalen Grundfläche von 260 Quadratmetern und zwei Vollgeschossen vor. Die Idee: Um diesen wie gewünscht preisgünstigen Wohnraum kurzfristig zu schaffen, könnten die Baufenster an Baugenossenschaften und/oder sogenannte Baugemeinschaften vergeben werden. Solche Gemeinschaften sind ein Zusammenschluss privater Bauherren, die ihre Wohnungen gemeinsam planen und realisieren, um sie dann selbst zu nutzen. Preisgünstig wird der Wohnraum deshalb, weil so der ansonsten einkalkulierte Bauträgergewinn wegfällt. Marktbaumeister Florens Hintler könnte sich ein Modell in Erbpacht gut vorstellen. „Wenn wir Bedarf haben, haben wir die Möglichkeit, in Zukunft wieder auf die Fläche zuzugreifen“, erklärte er im Hauptausschuss. Auch seien solche Projekte mit Baugenossenschaften oder
-gemeinschaften mit einer hohen Innovationskraft verbunden, „weil sich die Leute rund um die Uhr mit dem Thema beschäftigen“, erklärte  Hintler. Individuelle Wohnideen statt Schema F also. Hintler schlug eine sogenannte Konzeptvergabe nach einem Festpreis vor. Hierfür werden die Grundstücke nach festgelegten Kriterien ausgeschrieben. Das sind Qualitätsstandards für die Bereiche Wohnungspolitik (wie gewünschte Zielgruppen und Nutzungen), Städtebau/Quartier (wie Qualität des Vorschlags und soziales Konzept) sowie die Bereiche Funktion/Architektur (Nutzungsvielfalt) und Energie/ Ökologie/Verkehr  (Mobilitätskonzept, energiesparendes und ökologisches Bauen). Wie diese Bereiche schlussendlich gewichtet werden, müsse noch geklärt werden . „Eine große Chance“ sei das für die Verwaltung, erklärte Hintler. Schließlich könne die Marktgemeinde so auch städtebauliche Ziele verfolgen. Denkbar wäre zum Beispiel auch der Einzug einer Großtagespflege.

Bürgermeister Olaf von Löwis schlug vor, innerhalb des Hauptausschusses einen Arbeitskreis zu bilden. An diesen könne die Verwaltung erste Kriterien herantragen, die gemeinsam ausgearbeitet werden. Das Ergebnis wird dem Gemeinderat vorgelegt. Die Kriterien im gesamten Ausschuss zu diskutieren sei dagegen weniger sinnvoll. Das Verfahren sehe vor, dass auch Mitarbeiter der Verwaltung an solchen Überlegungen beteiligt sein müssen. „Je größer der Kreis, desto schwieriger“, erklärte von Löwis. Dem widersprach CSU-Kollege Johannes Loth. Er schlug vor, jede Fraktion solle eigene Kriterien erarbeiten, die dann im Ausschuss besprochen werden . „Wir brauchen einen Vorfilter, sonst kommen wir in den Wald.“ Heraus komme „ein Ergebnis, hinter dem alle stehen können“. Grundsätzlich sei das ein guter Vorschlag, fand von Löwis, allerdings sei die nächste Sitzung des Hauptausschusses erst wieder für Oktober angesetzt, der Arbeitskreis hingegen könne bereits in der Zwischenzeit arbeiten. Dennoch spreche nichts dagegen, dass sich die Fraktionen schon einmal Gedanken machen, schließlich sollen diese auch hinter ihrem Vertreter stehen. Marktbaumeister Hintler warnte davor, „vier fertige Kataloge“ zu haben, aus denen dann ausgewählt werden müsse. „Ich finde es charmant, das gemeinsam zu entwickeln“, sagte er.

Josef Sappl sen.(CSU) fragte, warum die Wohnungen nicht über die Gemeindewerke als Mitarbeiterwohnungen angeboten werden und warum nicht gleich die Holzkirchner Baugenossenschaft ins Boot geholt werde. Von Löwis erklärte, dass die Wohnungen aus vergaberechtlichen Gründen ausgeschrieben werden müssen. Er erinnerte eindringlich an vergangene Diskussionen zum jüngsten Bauprojekt Im Sommerfeld, dessen Wohnungen zur Hälfte nach einem Kriterienkatalog, zur Hälfte an Mitarbeiter der Gemeinde vergeben wurden. Beim neuen Bauprojekt sollten deshalb alle Wohnungen öffentlich zur Verfügung stehen. Elisabeth Dasch (SPD) unterstrich dies. Christoph Schmid (CSU) warnte indes davor, zu viele Kriterien aufzunehmen, „sonst konterkarieren wir den Zweck, günstigen Wohnraum zu schaffen“. Er erklärte: „Durch viele Wünsche erhöht sich die Miete.“

Schlussendlich entschied sich der Hauptausschuss geschlossen für die Empfehlung an den Marktgemeinderat, die Wohneinheiten nach einem Kriterienkatalog an Baugenossenschaften und Baugemeinschaften zu vergeben. Die Verwaltung wurde beauftragt, Vorschläge auszuarbeiten, die dann besprochen und in den Gemeinderat gebracht werden.

[Gelbe Blatt, 06.07.2019]

05 Jul

Fast wie ein kleines Dorf

Die Autos sind unter die Erde verbannt, ein grünes Band schlängelt sich durchs Quartier. Ein großer Platz lädt zum Ratschen ein. 120 Wohnungen gruppieren sich um große „Höfe“. Wie ein kleines Dorf mutet der Siegerentwurf des städtebaulichen Wettbewerbs an, den der Markt Holzkirchen für die freie Wiese an der Tölzer Straße (B 13) durchführte.

Holzkirchen – Zehn Planungsbüros hatte die Gemeinde eingeladen, sich Konzepte für das zu bebauende Areal zwischen der Tölzer Straße und der Baumgartenstraße zu überlegen. Die Köpfe rauchten, jetzt hat die Jury entschieden: Christine Peter (Büro SPP, München) legte die überzeugendste Studie für das künftige Viertel vor, dessen Fläche bisher als „Außenbereich im Innenbereich“ gilt, jetzt aber von der Gemeinde beplant wird. Unterstützt wurde die Planerin vom Münchner Landschaftsarchitekten-Büro TRR.

Ziel des Wettbewerbs war es, im fraglichen Gebiet zentrumsnah Wohnungen und infrastrukturelle Einrichtungen wie einen Kindergarten und Einzelhandel zu schaffen. Das Wohnungsangebot solle dem Bedarf aller Generationen gerecht werden und ein nachbarschaftliches Miteinander anregen.

„Die Entscheidung für den ersten Preis fiel einstimmig“, betonte Bürgermeister Olaf von Löwis am Mittwoch bei der Präsentation der Ergebnisse. Das Preisgericht mit Vertretern der Gemeinde, den Eigentümern der Fläche und ausgewählten Architekten hatte Ende Juni getagt. Das Preisgeld für den Sieger beträgt 12 000 Euro.

„Überzeugt hat uns die nahezu völlige Autofreiheit des Quartiers“, berichtete der Bürgermeister. Der Entwurf sieht vor, den motorisierten Verkehr über Tiefgaragen „nach unten“ zu verlagern. Oberirdisch ist nur Raum für Radfahrer und Fußgänger. So klar war die Entscheidung, dass das Preisgericht gar keinen zweiten Platz vergab, sondern zwei dritte Plätze, die mit jeweils 7500 Euro honoriert wurden.

Eine zentrale Rolle im Siegerentwurf spielt ein „Grünanger“-Streifen, der nach Südosten eine „Verzahnung mit der Voralpenlandschaft“ ermöglichen soll und in der Gegenrichtung ins Ortszentrum führt. „Der Grünanger soll an alte Dorfstrukturen erinnern“, erläuterte Peter ihre Idee. Die Bewohner des Viertels können hier „Aufenthaltsqualität“ genießen, sich treffen und entspannen.

Im westlichen Teil des Gebiets, jenseits des Grünangers, ist ein Nahversorger vorgesehen. Wohnortnahes Einkaufen soll die Attraktivität des Viertels erhöhen, so wünschen es sich die Planer. Zur Tölzer Straße hin sieht der Entwurf auch Büroflächen vor, die eine Baumreihe vor Verkehrslärm schützen soll. Im Süden ist eine Kita angedacht, mit bis zu acht Gruppen.

Auf große Anerkennung bei den Preisrichtern stieß die Struktur der Wohnflächen. Zur Baumgartenstraße hin sind die Gebäude so angeordnet, dass sie jeweils einen Hof einschließen. Innerhalb der Höfe sei Platz etwa für Kinderspielplätze, so Peter bei der Vorstellung. Rund um die drei Höfe würden 120 Wohneinheiten Platz finden. „Es wäre sogar Raum für Verdichtung“, betonte Peter.

Ob dies nötig ist und wie es überhaupt weitergeht, das entscheidet der Holzkirchner Gemeinderat. Noch vor der Sommerpause werde man die Aufstellung des Bebauungsplans in die Wege leiten, kündigte Löwis an. Daneben müssen noch Absprachen mit den Eigentümern der Flächen getroffen werden. Neben der Marktgemeinde selber teilt sich die Fläche auf weitere drei Besitzer. Diese seien in den Ideenwettbewerb einbezogen worden, betonte Löwis.

Wer sich für weitere Details des Siegerentwurfs interessiert oder wissen will, was sich die anderen neun Büros ausgedacht haben, kann sich die Entwürfe im Rathaus ansehen. Bis Ende Juli sind dort alle Modelle und Skizzen ausgestellt, die für den Wettbewerb eingereicht wurden.

Skizze: Büro SPP
Der Siegerentwurf wird geprägt von einer „Grünachse“. Vorne an der Tölzer Straße (im Bild links unten) verschränken sich zwei große L-förmige Baukörper, südlich davon schließen ein Supermarkt und eine Kita an. Westlich des Grünangers fallen die drei großen Wohnhöfe auf. Motorisierter Verkehr bleibt weitgehend ausgesperrt.

[Merkur, 05.07.2019]