31 Aug

Firmen wünschen sich mehr Wohnraum

Wer in Holzkirchen eine Wohnung sucht, der braucht Glück und einen dicken Geldbeutel. Der Mangel an bezahlbaren Wohnungen wächst sich langsam auch zu einem Problem für Unternehmen aus. Diesen Schluss legt eine Umfrage der Bürgerinitiative „Gemeinsam anders wohnen“ nahe. Die Initiative fordert die Gemeinde auf, mutiger und schneller zu reagieren.

Holzkirchen – „Wohnen – ein Standortvorteil?“ Unter diesem Titel versandte die Bürgerinitiative (BI) „Gemeinsam anders wohnen“ in den vergangenen Wochen (16. Juli bis 15. August) Umfragebögen an rund 230 Holzkirchner Unternehmen, Praxen und Einrichtungen. Die BI wollte wissen, wie die Firmen die Wohnsituation ihrer Mitarbeiter in Holzkirchen einschätzen – und ob dies aufs Geschäft durchschlägt.

Immerhin 21 Antworten kamen zurück und der Tenor überrascht kaum: Unternehmen bereitet es zunehmend Probleme, dass Mitarbeiter keine Wohnung finden. „Die Ergebnisse zeigen, dass der Mangel an günstigen Miet-Wohnungen nicht nur für Bürger ein echtes Problem ist“, sagt BI-Sprecher Sebastian Oppermann, „es ist ein Problem für den Wirtschaftsstandort Holzkirchen.“

Obwohl nur zehn Prozent der angeschriebenen Betriebe antworteten, stuft Oppermann die Aussagekraft der durch Spenden finanzierten Umfrage als relevant ein: „Für eine privat organisierte Umfrage ist die Rücklauf-Quote in Ordnung.“

Nur rund ein Fünftel der 21 Firmen hält das Wohnungsangebot in Holzkirchen für gut. Zwischen 70 und 90 Prozent stellen dagegen fest, dass der Wohnraummangel sowohl für Mitarbeiter als auch für Unternehmen ein reales Problem darstellt. Fast alle (85 Prozent) sind der Ansicht, dass Wohnraum in Holzkirchen zu teuer ist.

Die Hälfte der Unternehmen berichtet von Mitarbeitern, die aktuell eine Wohnung suchen. Neben dem allgemeinen Fachkräftemangel machen zwei Drittel der Unternehmen fehlenden Wohnraum dafür verantwortlich, dass sie Stellen nicht besetzen können. Zusammenfassend sehen 65 Prozent Standortnachteile in Holzkirchen, die sie auf die aktuelle Wohnraumsituation zurückführen.

Die Botschaft sei deutlich, glaubt Oppermann. „Die Gemeinde hat Möglichkeiten, sie muss mehr Dampf machen beim Wohnungsbau.“ Konkret in der Maitz, in absehbarer Zeit an der Tölzer Straße und auf „einigen weiteren privaten Grundstücken“ gebe es genug Optionen, eine Offensive für bezahlbaren Wohnraum zu starten. Angekündigt sei vieles, „es müssen nur endlich auch Taten folgen“.

Die BI „Gemeinsam anders wohnen“ setzt sich seit Jahren für ein neues Wohnprojekt in Holzkirchen ein. Ihr Ziel ist der Bau einer Anlage gemeinsam mit der „Maro Genossenschaft für selbstbestimmtes und nachbarschaftliches Wohnen“, die mehrere Projekte in der Region realisiert hat. „Die Maro wird sich am Konzeptwettbewerb in der Maitz beteiligen“, kündigt Oppermann an. Dort will die Gemeinde ein Grundstück für 15 bis 20 Wohneinheiten zur Verfügung stellen (wir berichteten). Das beste Konzept soll den Zuschlag erhalten. Ende September ist eine erste Online-Präsentation für Interessierte geplant.

„Bezahlbarer Wohnraum“ heißt in der Regel, dass 30 Prozent des Netto-Einkommens in die Miete fließen. „In Holzkirchen geht teilweise die Hälfte des Einkommens für Miete drauf“, sagt der BI-Sprecher. Statt zehn bis zwölf Euro für den Quadratmeter würden bei Neubauten bereits 14 bis 16 Euro verlangt. Gesucht sind laut Oppermann besonders Ein- und Zwei-Zimmer-Einheiten für Lehrlinge, Studenten oder ältere Bürger, „die sich verkleinern wollen“.

Neun der 21 Firmen, die sich an der Umfrage beteiligten, beschäftigen weniger als 15 Mitarbeiter; drei haben über 100 Angestellte. 28 Prozent können sich vorstellen, sich an der Schaffung von Wohnungen für Mitarbeiter zu beteiligen. Darüber hinaus wünschen sich die Unternehmen mehr Tempo-30-Zonen und einen Ausbau des öffentlichen Personennahverkehr nach Bad Tölz und Miesbach. „Wenn Mitarbeiter im Ort keine Wohnung finden, weichen sie in die nächstgünstigere Umlandgemeinde aus“, sagt Oppermann. Sie werden zu Einpendlern, „und das verschärft die Verkehrsproblematik im Ort“.

[Merkur, 31.08.2020]

22 Aug

Feinschliff für Wohnquartier

Nach Beschluss im Marktgemeinderat: Pläne am Ladehof in Holzkirchen werden nochmals ausgelegt

Holzkirchen – Im Bereich zwischen Heignkamer Straße, Am Ackerrain, Flachsfeldstraße und Am Ladehof sollen in Holzkirchen mehrere Wohnhäuser entstehen. Vor Kurzem hat sich der Marktgemeinderat in seiner Sitzung mit Einwänden befasst, die zu den Plänen von behördlicher und privater Seite eingegangen sind. Hauptsächlich machten den Nachbarn Wandhöhen von bis zu 8,80 Meter zu schaffen. Das Bauamt kam dem entgegen und reduzierte die Höhe um einen halben Meter. Diese und weitere Änderungen, die mit zwei Gegenstimmen verabschiedet wurden, machen es nötig, den Plan erneut auszulegen.

Laut dem Entwurf des Bebauungsplans sieht das städtebauliche Konzept vor, auf der als Mischgebiet ausgewiesenen, rund 4700 Quadratmeter großen Brachfläche sechs Mehrfamilienhäuser zu errichten. Wegen der angrenzenden Bahnlinie kommt dabei dem Lärmschutz eine besondere Bedeutung. zu Einen Beitrag dazu soll die Situierung der dreigeschossigen Gebäude leisten. Die für einzelne Baukörper ursprünglich veranschlagte Wandhöhe von 8,80 Meter war allerdings einigen Nachbarn zu viel des Guten, weil sie dadurch eine zu starke Verschattung befürchten. Das wäre zwar laut Bauamt nicht der Fall. Trotzdem setzen die Planer künftig für die Baukörper an der nordöstlichen Grundstücksgrenze eine Wandhöhe von 8,3 Meter fest. Neu ist auch, dass diese über Normalnull und nicht wie vorher ab Erdgeschoss-Fertigfußbodenhöhe zählt. Damit wird es dem Bauherrn überlassen, ob er die niedrigere Höhe erreicht, indem er die Erdgeschoss-Fertigfußbodenhöhe absenkt oder sie über die relative Gebäudehöhe über dem Erdgeschoss reduziert.

Neben der geänderten Wandhöhe wurde der Entwurf unter anderem noch im Hinblick auf Dachneigungen und Sichtgrenzen geändert respektive ergänzt. Wohl aus der Lehre des Holzkirchner Kuhglockenstreits wurde außerdem der Hinweis aufgenommen, dass von den angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen und Hofstellen von Lärm-, Staub- und Geruchsemissionen auszugehen ist, die auch sonn- und feiertags sowie vor 6 und nach 22 Uhr auftreten können.

Wie Bürgermeister Christoph Schmid sagte, könne er die Bedenken aus der Bürgerschaft durchaus nachvollziehen: „Ich verstehe, dass die Bebauung die Nachbarn nicht zu Jubelstürmen hinreißt. Auch wenn es mühsam ist, den Entwurf mehrmals auszulegen, zeigt das, dass wir die Einwände sehr ernst nehmen.“ Allerdings, meinte Schmid, wäre eine gewerbliche Bebauung vermutlich ein noch größeres Übel gewesen. Dem widersprach Hubert Müller (FWG), der bekanntlich kein Freund dieses Wohnquartiers ist: „Ich mache nicht mit, ein Mischgebiet in ein allgemeines Wohngebiet umzufunktionieren. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass so nahe an den Bahngleisen eine Gewerbeansiedlung sinnvoller und für die Nachbarn auch nicht störender wäre.“ Der CSU-Fraktionsvorsitzende Sebastian Franz erinnerte indes an die Wohnraumknappheit und daran, dass der private Bauherr zugesichert habe, der Marktgemeinde Wohnungen zum Einkaufspreis abzutreten. Diese Art, Wohnraum zu beschauen, stellt in Holzkirchen ein Novum dar.

Einzusehen ist der aktuelle Entwurf für den Bebauungsplan zum neuen Wohnquartier noch bis Mittwoch, 2. September, im Rathaus und auf der Internetseite der Marktgemeinde.

[Gelbes Blatt, 22.08.2020]

22 Jul

Gemeinschaftliches Bauen

Marktgemeinde sucht Konzept für zwei freie Grundstücke in Holzkirchen

Holzkirchen – Erstmals haben Holzkirchner die Gelegenheit, sich als Baugemeinschaft oder Genossenschaft mit einem Konzept auf zwei gemeindliche Grundstücke zu bewerben. Wie das ablaufen soll, wurde jüngst in der Sitzung des Gemeinderats im Oberbräu vorgestellt. Demnach werden die Plätze in dem Baugebiet nicht an den Höchstbietenden gehen, sondern an diejenigen, die das beste Konzept für ein gemeinschaftliches Wohnprojekt vorlegen. Seinen Anfang hat das Verfahren im Sommer 2019 genommen. Jetzt hat sich der Gemeinderat einstimmig dafür ausgesprochen, es fortzusetzen.

Die Entscheidung, dass Grundstücksflächen in der Maitz für Baugemeinschaften und -genossenschaften in Erbpacht im Konzeptverfahren zum Festpreis vergeben werden sollen, beruht auf einem Beschluss des Gemeinderats vom Sommer 2019. Da dies Neuland war, hatte sich die Verwaltung Unterstützung von der Firma Stattbau München geholt. Das Unternehmen ist auf solche Wohnprojekte spezialisiert und soll dieses auch weiterhin begleiten. Wie Geschäftsführerin Natalie Schalter erklärte, wurden für die Bewerbung bewusst weiche Ziele vorgegeben, um die Kreativität der Bewerber nicht zu sehr einzuschränken. Als Vorgabe gilt, dass die Häuser an das Fernwärmenetz der Gemeinde angeschlossen werden müssen und eine ökologische sowie nachhaltige Bauweise erwartet wird. Außerdem sollen verschieden große Wohnungen entstehen, die für Bewohner jeden Alters und je nach sozialer Konstellation flexibel genutzt werden können. Auch sollen sie sich gut in die Nachbarschaft einfügen. Wenn das Konzept zudem technisch und finanziell realisierbar erscheint, steht einer Bewerbung nichts mehr im Wege.

Wie Marktbaumeister Florens Hintler sagte, könne die Konzeptvergabe künftig auch für andere vergleichbare Grundstücke angewendet werden. In der Maitz schätzt er das Potenzial für den rund 2300 Quadratmeter großen Baugrund auf 15 bis 20 Wohneinheiten. Bürgermeister Christoph Schmid meinte: „Wir gehen hier völlig neue Wege. Das birgt natürlich auch ein gewisses Risiko. Sollten sich keine geeigneten Bewerber finden, könnte es auch sein, dass wir auf die altbekannten Formen zurückgreifen müssen.“

Lob kam von Robert Wiechmann (Grüne), der zugab, anfangs von den weichen Vorgaben nicht überzeugt gewesen zu sein: „Ich kann mir aber jetzt gut vorstellen, dass wir so das Wohnen viel besser organisieren können und hier etwas Wunderbares entstehen kann.“ Elisabeth Dasch (SPD) würde zwar, was die Schaffung von Wohnraum angeht, lieber auf die Tube drücken, aber auch sie sprach sich für die Konzeptvergabe aus: „Ein nachhaltiges Verfahren, das wir künftig gut anwenden können, auch wenn es jetzt etwas dauert.“ Als nächste Fixtermine nannte Schaller eine Online-Informationsveranstaltung für alle Interessenten am 30. September und einen Vor-Ort-Termin am 7. Oktober. Interessenten können sich über das Projekt ab sofort auf der Internetseite der Marktgemeinde unter www.holzkirchen.de/maitz informieren.

[Gelbes Blatt, 22.07.2020]

10 Dez

Engagiert Euch für bezahlbaren Wohnraum

Die Podiumsdiskussion „Anders wohnen“ vom KulturVision e.V. traf ins Schwarze. Viele Interessierte waren in das Foolstheater gekommen, um sich über alternative Wohnkonzepte zu informieren. Fazit: Wieder einmal brachte eine „Anders wachsen“-Veranstaltung einen Stein ins Rollen.

Jeder hat Anspruch auf angemessene Wohnung

Die Bedeutung des Themas formulierte Moderator Michael Pelzer so: „Wohnen ist ein menschliches Grundbedürfnis, ein Fundament des Lebens.“ Und er zitierte, was zu überraschtem Raunen im Saal führte, die Bayerische Verfassung: „Jeder Bewohner Bayerns hat Anspruch auf eine angemessene Wohnung. Die Förderung des Baues billiger Volkswohnungen ist Aufgabe des Staates und der Gemeinden. Die Wohnung ist für jedermann eine Freistätte und unverletzlich.“

Im Podium hatten fünf Initiatoren alternativer Wohnkonzepte Platz genommen, die ihre Visionen vorstellen. Auch die Bürgerinitiative „Gemeinsam anders wohnen“ war vertreten uns sucht intensiv nach einem Grundstück. Geplant sei ein Mehrfamilienhaus mit etwa 35 Wohneinheiten, in dem die Bewohner nachbarschaftlich miteinander leben und Dinge teilen, sich gegenseitig unterstützen, erklärte Initiator Sebastian Oppermann das genossenschaftliche Modell.

Die Marktgemeinde Holzkirchen habe ein Areal in der Maitz ausgeschrieben, aber die Planungen ruhten derzeit. Zudem sei es nur ein Anfang, da nur etwa 15 Wohnungen entstehen könnten. Langfristiges Ziel sei ein großes Haus im Gebiet an der Tölzer Straße, was derzeit überplant werde.

[…]

Im Sinne des Gemeinwohls

Michael Pelzer meinte, dass man Gesetze nach dem Wortlaut, aber ebenso nach dem Sinn und Zweck auslegen könne. Er forderte: „Das Instrumentarium der Gemeinden muss voll im Sinne des Gemeinwohls ausgeschöpft werden.“

In Holzkirchen werde eine Vielzahl bezahlbarer Wohnungen benötigt, sagte SPD-Kommunalpolitiker Wolfgang Huber und die heutige Veranstaltung müsse dazu dienen, den politischen Willen dazu zu fördern. „Engagiert euch!“ rief Sebastian Oppermann die Zuhörer auf, „geht in die Gemeinden und fragt nach.“

Der komplette Artikel ist hier zu finden: https://www.kulturvision-aktuell.de/anders-wohnen-podiumsdiskussion-kultur-im-oberbraeu-holzkirchen-2019/

06 Dez

Ladehof: Aus Gewerbe soll Wohnen werden

Holzkirchen – Ein Bauherr plant sechs Häuser mit rund 50 Wohnungen, zwischen Heignkamer Straße, Flachsfeldstraße, Am Ackerrain und Am Ladehof – einen Teil soll er zum Herstellungspreis an die Gemeinde verkaufen. Die schafft dadurch günstigen Wohnraum. Ein bayernweit einzigartiges Projekt, das jetzt den nächsten Schritt genommen hat. Der Marktgemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung dem Billigungsbeschluss der Änderung des Bebauungsplans in diesem Gebiet mit einer Gegenstimme zugestimmt.

Die Änderung ist nötig, da das Bauareal in einem Mischgebiet liegt, die Wohnungen sollen dort entstehen, wo ursprünglich Gewerbe angedacht war. Deshalb hatte der Gemeinderat in der Vergangenheit – zuletzt 2014 – immer wieder das Baurecht verweigert. Neben der Ausweisung für Gewerbe war die Lärmbelastung direkt neben der Bahntrasse einer der Gründe. Dessen ist sich auch die Verwaltung bewusst. „Das ist eine kritische Lage“, sagte Doris Hötzendorfer aus dem Bauamt im Gemeinderat. In jedem Geschoss der geplanten Häuser gebe es andere Emissionseinträge, die berücksichtigt werden müssten. Deshalb habe man das vertiefte Lärmschutzgutachten des Landratsamts eins zu eins übernommen.

Wobei in den Neubauten manche Bewohner mehr vom Bahnlärm betroffen sind, als andere. Die Häuser in vorderster Reihe Am Ladehof dienen quasi als Lärmschutzwand für die dahinterliegenden. Beide Reihen kombiniert reduzieren den Lärm Am Ackerrain dann wohl deutlich. Natürlich müssen aber weitere Maßnahmen getroffen werden. Wie diese aussehen sollen, ist noch nicht bekannt.

Zu diesem und weiteren Punkten können Bürger und Behörden ab Ende 2019/Anfang 2020 einen Monat lang ihr Einwände im Rathaus vorbringen. Solange liegt das Projekt öffentlich aus. Die Anmerkungen werden dann in den städtebaulichen Vertrag mit dem Bauherren eingearbeitet. Unterschrieben ist dieser noch nicht, schließlich ist noch kein Satzungsbeschluss zur Bebauungsplanänderung gefasst worden.

Dass es einen städtebaulichen Vertrag geben wird, steht derweil schon fest, wie Hötzendorfer erklärte: Es sei bereits ein Vorvertrag unterschrieben, in dem sich der Bauherr verpflichtet, einen Teil der Planungskosten übernimmt, den Vertrag mit der Gemeinde unterschreibt und eine – zumindest öffentlich – nicht näher genannte Zahl an Wohnungen zum Herstellungspreis an die Gemeinde verkauft.

Diese Art und Weise an Wohnungen zu kommen, ist für eine Kommune in Bayern einzigartig. Mittlerweile haben auch die Regierung von Oberbayern und das Landratsamt zugestimmt, sodass dem Vorhaben prinzipiell nichts mehr im Wege steht. Zweite Bürgermeisterin Elisabeth Dasch (SPD) freute sich darüber, „dass das von der Regierung von Oberbayern als zulässiges Mittel empfunden wird“. Mit der Gemeinde als Wohnungseigentümer könne bezahlbarer Wohnraum für immer geschaffen werden.

CSU-Sprecher Christoph Schmid sieht in der Herangehensweise eine „großartige Chance. Ich glaube, dass wir etwas Hervorragendes schaffen können.“ Robert Wiechmann (Grüne) betonte, dass man sehe, was herauskommt, „wenn man wirklich will“. Zur Schaffung bezahlbaren Wohnraums gebe es viele Wege. 

Gegen den Billigungsbeschluss stimmte lediglich Hubert Müller (FWG). „Ich habe schon 2008 über den Bebauungsplan abgestimmt, als Mischgebiet“, führte er an. Er betrachte die Ansiedlung von Gewerbe als sinnvoll und für bezahlbaren Wohnraum sei das Projekt zwischen Tölzer und Baumgartenstraße besser geeignet.

[Merkur, 06.12.2019]

03 Dez

Demonstration für bezahlbaren Wohnraum

„Für gemeinschaftliches, bezahlbares Wohnen! Jetzt!“  Mit dieser Forderung demonstrierte  die  Bürgerinitiative  „gemeinsam anders wohnen“  auf dem Holzkirchner  Marktplatz für mehr Wohnraum und gegen die scheinbare Untätigkeit  der Marktgemeinde bei diesem Thema. Mit einem Wohnzimmer auf der Straße hat die Initiative aufgezeigt, wie wichtig eine bezahlbare Wohnung für alle Holzkirchner ist. Als Beispiel nannten sie das Bauvorhaben in der Maitz, bei dem die Grundstücke in Erbpacht mittels Konzeptvergabeverfahren verteilt werden sollen. Das beschloss der Gemeinderat bereits im Juli (wir berichteten), die Vergabe beginnt laut Initiative-Vorsitzendem Sebastian Oppermann allerdings erst im Sommer 2020. Das könne er nicht nachvollziehen. Außerdem werde die bezahlbare Warmmiete von 30 Prozent des Nettoeinkommens in Holzkirchen bei vielen Berufsgruppen überschritten. Das müsse sich ändern.

[Merkur, 03.12.2019]

15 Nov

Baugenossenschaft Holzkirchen: Weinmann hört auf – Neubau in vier Jahren

Holzkirchen – Die Rufe werden immer lauter: Holzkirchen braucht zusätzlichen Mietwohnraum, am besten bezahlbar. Viele Blicke richten sich auf die Baugenossenschaft Holzkirchen, die aber auch keine schnellen Lösungen liefern wird.

Die 93. Generalversammlung am Samstag stand erst einmal im Zeichen eines fast epochalen Personalwechsels. Nach 40 Jahren gab Vorstandsvorsitzender Bernd Weinmann die Verantwortung ab; zu seinem Nachfolger kürten die 62 stimmberechtigten Mitglieder Torsten Altevers.
Der 36-Jährige weiß, dass die Nachfrage nach Wohnungen ständig steigt. „Unsere Wartelisten sind randvoll“, sagt der neue Vorstandsvorsitzende. Kein Wunder: Die Mieter zahlen maximal sieben Euro für den Quadratmeter. Doch Altevers bremst die Erwartungen. Nach den teuren Renovierungen der vergangenen Jahre – seit 2009 investierte die Genossenschaft rund zehn Millionen Euro – gönnt man sich 2020 ein Jahr des Verschnaufens, ehe 2021/2022 die Sanierung der letzten Einheiten in der Baumgartenstraße – der alte „Polizistenblock“ – und in der Tegernseer Straße anstehen. „Die Leute müssen teilweise noch mit dem Ölkännchen heizen – das muss ein Ende haben“, sagt Altevers, der selbst mit seiner Frau seit zehn Jahren in einer der 219 Genossenschaftswohnungen lebt und als Polizist arbeitet. In diesem Jahr standen neben den üblichen Renovierungen bei Mieterwechseln Balkonsanierungen in der Birkenstraße an, die allein über 200 000 Euro verschlangen.

Frühestens ab 2023 will sich die Genossenschaft mit dem schon länger anvisierten Neubau in der Lindenstraße beschäftigen, wo man über ein baureifes Grundstück verfügt. „Aber wir können nicht zaubern“, sagt Altevers, „ich kann da heute nichts versprechen.“
Nach der Verabschiedung von Weinmann, dem auch Bürgermeister Olaf von Löwis seinen Dank aussprach, musste der dreiköpfige Vorstand wieder komplettiert werden. Neben Altevers wurde Hans Nitsch für weitere drei Jahre bestätigt; neu ins Gremium rückte Christine Blank, die als langjährige Bürokraft der Genossenschaft alle Abläufe schon sehr genau kennt.

[Merkur, 15.11.2019]

Link zum Online-Artikel

27 Sep

100 Jahre Baugenossenschaft Holzkirchen

Führungsriege im Interview über Herausforderungen und Pläne

Die Baugenossenschaft Holzkirchen feiert Jubiläum. Heuer vor 100 Jahren im ersten Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in der noch jungen Republik, als große Wohnungsnot herrschte wurde sie gegründet, um preisgünstiges Wohnen in der Marktgemeinde zu ermöglichen. Heute zählt die Gemeinschaft 288 Mitglieder und 219 Wohnungen. Ehe die Genossenschaft am morgigen Samstag ihr Jubiläum mit einem Festabend mit Mitgliedern, Mietern und Ehrengästen begeht, trafen wir uns zum Gespräch über aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne mit Vorstandsvorsitzendem Bernd Weinmann und Aufsichtsratsvorsitzendem Werner Bauer.

Was sind derzeit die drängendsten Probleme auf dem Holzkirchner Wohnungsmarkt?

Weinmann: Dass die Kaltmiete auf dem freien Wohnungsmarkt bis zu 14 Euro pro Quadratmeter beträgt, stellt ein großes Problem dar. Wer kann sich denn so eine Miete leisten? Dann natürlich auch die Nähe zu München. Die Leute wollen auf dem Land leben, weil in München die Wohnsituation sehr schlimm ist. Das sorgt für einen großen Druck auf den Wohnungsmarkt. Wir haben derzeit über 200 Bewerbungen auf der Warteliste.

Was kann die Baugenossenschaft gegen diese Probleme tun?

Bauer: Wir versuchen. den Mietern günstigen Wohnraum anzubieten. Die teuersten Wohnungen vermieten wir mit einer Kaltmiete von 8,50 Euro pro Quadratmeter, viele Wohnungen sind aber günstiger, die meisten liegen derzeit bei 7,50 Euro. Unser Ziel ist es eigentlich, neuen Wohnraum zu schaffen. Aber die Grundstückspreise sind so teuer, dass es im Moment nicht geht. Daher liegt unser Augenmerk derzeit auf der Renovierung  der bestehenden Wohnungen. Wir wollen sie auf einen modernen Standard heben. In den vergangenen zehn Jahren haben wir dazu acht Millionen Euro ausgegeben. Und jetzt sind wir fast fertig damit.

Herr Weinmann, seit 40 Jahren sind Sie Vorstandsvorsitzender und haben in Ihrer Zeit die Geschicke der Baugenossenschaft mitgestaltet. Gibt es Veränderungen, die Sie im Laufe der Zeit wahrgenommen haben? Etwa, was die Ansprüche der Mieter angeht?

Weinmann: Natürlich gibt es heute gewisse Standards, die eine Wohnung haben muss und die auch verlangt werden, etwa eine Zentralheizung. Auch einen Balkon oder eine Terrasse mögen die Leute gerne. Wir erleben aber auch, dass sich Mieter schwer damit tun, wenn eine Wohnung im dritten Stock keinen Aufzug hat. Wenn man Kinder hat, ist das auch schwierig. Vielfach wollen die Menschen sich auch nicht mehr für die Gemeinschaft engagieren. Früher haben die Hausbewohner zum Beispiel zusammen Schnee geschaufelt. Heute will man lieber einen Hausmeister für solche Tätigkeiten. Aber wir sind insgesamt sehr zufrieden mit unseren Mietern, die sind dankbar und kümmern sich. Das muss man auch einmal sagen.

Wie kommt man denn an eine Genossenschaftswohnung? Gibt es Kriterien für die Vergabe?

Bauer: Wenn jemand einen Aufnahmeantrag stellt, dann prüfen wir den zuerst. Dabei steht die Bedürftigkeit an erster Stelle. Wir schauen zum Beispiel auf das Einkommen oder ob jemand alleinerziehend ist. Neuerdings ist uns wichtig, Wohnraum für Menschen zu schaffen, die Berufe haben, über die immer nur geredet, aber für die nichts getan wird. Erzieherinnen, Altenpfleger oder Krankenschwestern etwa haben es oft schwer, eine Wohnung zu finden. Der Vorstand und der Aufsichtsrat entscheiden dann gemeinsam, wer in Frage kommt. Uns kommt es dabei auch darauf an, dass die neuen Mieter in die Gemeinschaft passen. Die Leute sollen ja zusammenkommen, ratschen und so den Genossenschaftsgedanken leben. Viele Menschen wohnen schon über 50 oder 60 Jahre in ihrer Wohnung. Daher gibt es nicht so oft Veränderungen.

Und wie geht es in Zukunft weiter? Wie sind die Pläne der Baugenossenschaft?

Bauer: Unser Ziel ist es Wohnraum zu schaffen. Wenn möglich, nehmen wir bald den Bau in der Lindenstraße in Angriff. Aber im Moment geht es noch nicht. Ansonsten schauen wir, dass die Sanierungen, wie bisher, gut vollendet werden.

Das Gespräch führte Andreas Wolkenstein

[Merkur, 27.09.2019]

20 Jul

Das deutsche Grundgesetz mit Leben erfüllen

70 Jahre Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland ist ein Grund zu feiern, meinte Volker Camehn und lud sich sechs Vertreter von Initiativen ins Foolstheater ein, die ihre Auslegungen und ihre Wünsche formulierten. Der Poet selbst würzte mit seinen Gedichten.

„Wie oft kommt das Wort „Liebe“ im Grundgesetz vor?“ fragte der Otterfinger das Publikum und antwortete: „Einmal, nämlich im Wort Kriegshinterbliebene.“ Und wurde dann ernst. Das Grundgesetz, als Provisorium gedacht, sei eine fragile Angelegenheit. „Man muss dafür streiten“, sagte Volker Camehn. Und eigentlich dürfe man der AfD dankbar sein, dass sie Änderungen des Grundgesetzes fordere, denn so werde man wieder einmal sensibilisiert dafür, wie wichtig dieses Papier sei. Man müsse allen dankbar sein, die das Grundgesetz mit Leben erfüllen.

Grundgesetz ist wunderbares Grundgerüst

Alle sechs Diskutanten waren sich einig, dass das deutsche Grundgesetz ein wunderbares Grundgerüst sei, das insbesondere in die Schulen gehöre und dessen Einhaltung von der Zivilgesellschaft eingefordert werden müsse.

Eigentum verpflichtet

Die Bürgerinitiative „Gemeinsam anders wohnen“ möchte mit ihrem Genossenschaftsmodell bezahlbaren Wohnraum in Holzkirchen schaffen, wobei der Gemeinschaftsgedanke im Vordergrund steht.

Initiator Sebastian Oppermann bezog sich auf Artikel 14, in dem steht, dass Eigentum nicht nur geschützt werden muss, sondern auch verpflichtet. Eigentum darf also nicht zum Schaden anderer verwendet werden, deshalb sei der Genossenschaftsgedanke der Idealzustand im Sinne des Grundgesetzes.

[…]

Der komplette Artikel ist hier zu finden: https://www.kulturvision-aktuell.de/grungesetz-podiumsdiskussion-kultur-im-oberbraeu-holzkirchen-2019/

18 Jul

Erbpacht beschlossen

Holzkirchen bereitet Konzeptvergabe vor

Holzkirchen – Der Gemeinderat hat am Dienstag beschlossen, die Grundstücke an der Maitz nach dem Konzeptvergabeprinzip an eine Genossenschaft oder Baugemeinschaft in Erbpacht zu vergeben. Im Gegensatz zur Direktvergabe, bei der der Marktpreis erzielt wird, und zum Bieterverfahren, bei dem der Meistbietende den Zuschlag bekommt, zählen bei der Konzeptvergabe nur inhaltliche Kriterien: Wer das überzeugendste Konzept hat, bekommt den Zuschlag. Holzkirchen hofft. so auf den beiden 988 und 1288 Quadratmeter großen Grundstücken bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Wie berichtet hatte der Gemeinderat bereits Anfang Juli darüber beraten.

Die Fraktionen sind nun aufgerufen, Ideen für Kriterien einzureichen. Die Verwaltung erarbeitet daraus dann ein Konzept. Mögliche Kriterien hierfür sind laut Marktbaumeister Florens Hintler unter anderem die Miethöhe, Zielgruppen, spezielle Nutzungsangebote wie eine Großtagespflege. Außerdem städtebauliche und ökologische Faktoren. Simon Ammer (SPD) schlug vor, günstige Mieten zum Hauptkriterium zu machen. Christoph Schmid (CSU) regte an, den Bewerbern die genaue Miethöhe vorzugeben, den Erbpachtzins dagegen offenzulassen. Den sollten die Bewerber vorschlagen. Sebastian Franz (CSU) regte an, Wohnraum für Azubis und Studenten zu schaffen. Er stellte sich damit hinter die Forderung der JU Holzkirchen, die an der Maitz ebenfalls Wohnraum für junge Menschen mit geringem Einkommen schaffen will. Hubert Müller (FWG) mahnte, nicht zu viele Vorgaben zu machen, die die Kosten möglicherweise in die Höhe treiben und damit der Idee der günstigen Mieten zuwiderlaufen könnten.

[Merkur, 18.07.2019]