13 Apr

Immobilienpreise weiter auf Höhenflug

Landkreis – Die Immobilienpreise im Landkreis sind weiter auf dem Höhenflug. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat die Nachfrage nach Wohnimmobilien in Bayern noch mal zugenommen. Das geht aus dem aktuellen Marktspiegel der Sparkassen-Finanzgruppe hervor.

Der Marktspiegel listet auch die Immobilienpreise im Landkreis auf. Für ein Baugrundstück werden derzeit im Schnitt pro Quadratmeter 850 Euro (Miesbach-Schliersee-Leitzachtal), 1000 Euro (Holzkirchen) und 1400 Euro (Tegernseer Tal) fällig. Ein Doppel- oder Reihenhaus kostet 900 000, eine Million beziehungsweise 1,3 Millionen Euro. Für eine Eigentumswohnung müssen Interessierte im Schnitt 6500, 7500 und 9400 Euro pro Quadratmeter bezahlen. Die Spitzenwerte liegen in allen Fällen deutlich darüber. Für Baugrundstücke werden im Landkreis bis zu 2500 Euro pro Quadratmeter aufgerufen, für Eigentumswohnungen im Tegernseer Tal sogar bis zu 17 500 Euro pro Quadratmeter.

[Merkur, 13.04.2021]

01 Apr

Großhartpenning darf wachsen

Bauausschuss will Baurecht für mehrere Einfamilienhäuser schaffen

Holzkirchen – Am Ortsrand von Großhartpenning an der Piesenkamer Straße sind mehrere neue Einfamilienhäuser geplant. Der Bauausschuss ebnet diesem Ansinnen nun den Weg: Das Gremium hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, den Bebauungsplan 105 für das Gebiet an der Tölzer Straße um die betreffenden fünf Grundstücke zu erweitern und damit für alle Baurecht zu schaffen.

Die Flächen liegen am Ortsrand von Großhartpenning, südlich der Tölzer Straße und östlich der Piesenkamer Straße, über die vier der geplanten Parzellen auch erschlossen werden sollen. Auf zwei der Grundstücke besteht nach Ansicht des Landratsamts bereits Baurecht, weil sie dem Innenbereich zuzurechnen sind. Die Eigentümer hätten geerbt und wollten dort nun Wohnraum für sich selbst schaffen, erläuterte Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) im Bauausschuss den Sachverhalt. Zwei weitere Grundstücke und eine benachbarte Fläche eines weiteren Eigentümers, der zwischenzeitlich ebenfalls einen Bauwunsch angemeldet hat, liegen allerdings im Außenbereich. Um dort Baurecht zu schaffen, muss die Marktgemeinde diese erst dem Bebauungsplan zuschlagen.

Jessica Schröder von der Bauamt-Verwaltung erläuterte, dass von den Bauwerbern niemand „hochtrabende Geschossbaupläne“ verfolge. Damit entkräftete sie mögliche Bedenken, die auf das Erscheinungsbild Großhartpennings abzielen. Die Eigentümer stellen sich jeweils ein neues Einfamilienhaus mit einer Einliegerwohnung in ortsüblichem Baustil und einer sich in den Bestand einfügenden Grundfläche vor.

Martin Taubenberger (FWG) begrüßte die Pläne der Bauwerber. „Wenn Einheimische schon das Glück haben zu erben, dann kann man das machen“, fand er. Und auch Schmid betonte, er wolle, dass die nächste Generation Holzkirchner hier wohnen könne. Der Bauausschuss hat die Änderung des Bebauungsplans mit einstimmigem Beschluss – unter Ausschluss von Hubert Müller (FWG) als persönlich Beteiligtem – auf den Weg gebracht.

[Merkur, 01.04.2021]

31 Mrz

Geld für die Erschließung an Spitzwegstraße

Holzkirchen – An der Spitzwegstraße in Holzkirchen soll ein neues Wohngebiet entstehen. Wie berichtet, sind dort auf der grünen Wiese insgesamt 14 Wohneinheiten geplant, verteilt auf sechs Einfamilienhäuser, ein Doppelhaus sowie zwei Dreispänner. Den entsprechenden Änderungsbeschluss des Bebauungsplans fasste der Gemeinderat im September 2020.

Jetzt muss das Gebiet zwischen Andreas-Mitterfellner-Straße und Flintspachstraße erschlossen werden. Johann Kellner, Leiter Bauamt-Technik, erklärte im Gemeinderat nun alles rund um die Ausschreibung zur Planungsleistung der Spitzwegstraße. Laut Kellner muss für die Erschließung der Wohnbebauung eine neue Straße gebaut werden, auch die Oberflächenentwässerung ist in dem Paket drin. Angedacht sei ein Straßenraum von fünf Metern sowie ein zwei Meter breiter Gehweg. Stellenweise sollen Längsparkstände entstehen. Der bestehende Wertstoffcontainer-Platz soll bleiben.

Die Kosten für die Erschließung belaufen sich laut Kellner auf rund 680 000 Euro. Weil es sich um eine Erst-Erschließung handle, können 90 Prozent der Kosten auf die Anlieger umgelegt werden. Den Rest übernimmt die Gemeinde. Der Gemeinderat beauftragte die Verwaltung damit, das Vergabeverfahren für die Planungsleistung durchzuführen. Außerdem ermächtigte das Gremium Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) dazu, den wirtschaftlichsten Bieter zu beauftragen und den Ingenieurvertrag abzuschließen. Beide Beschlüsse fielen einstimmig. Die Erschließungsarbeiten sollen im Jahr 2022 beginnen, so Kellner. Der weitere Zeitplan sei noch offen.

[Merkur, 31.03.2021]

31 Mrz

Die Suche nach dem gemeinsamen Nenner

VON MARLENE KADACH

Ein Treffpunkt unter Bäumen, Mehrgenerationenwohnen sowie Bike- und Carsharing: Das wünschen sich Holzkirchner für das geplante Quartier „Winklbauerhöfe“ am Valleyer Weg. Die Bürgerbeteiligung zu dem Projekt wurde gut angenommen. Die Skepsis einiger Anwohner aber bleibt.

Holzkirchen – Die Wahrnehmung ist unterschiedlich. „Die Interessenlage ist jetzt zwar klarer“, sagt Anwohner Christoph Gerz. „Aber die Lage hat sich nicht grundlegend geändert.“ Max von Bredow, Vorstandsvorsitzender der Quest AG, sieht die Sache positiver: Zwar hätten gerade direkte Nachbarn Ängste geäußert. Bei vielen Bürgern überwiege aber der Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum. Und: „Wir haben sehr viel über die Wünsche der Menschen und über die Bedürfnisse der heutigen Bewohner gelernt.“

Diese klopfte Bauträger Quest nun im Rahmen einer Bürgerbeteiligung zur geplanten Wohnbebauung „Winklbauerhöfe“ am Valleyer Weg ab. Drei Veranstaltungen fanden statt. Bei der digitalen Bürger- und Nachbarschaftswerkstatt nahmen laut Bredow jeweils rund 25 Haushalte teil. Beim Ideenbüro – bei dem Bürger am Modell bauen durften – machten circa 15 Haushalte mit. „Uns freut, dass die Beteiligung auch digital sehr gut funktioniert hat und so viele Menschen teilgenommen haben“, betont Bredow.

Wie berichtet, bebaut Quest eine Wiese zwischen Valleyer Weg und Angerstraße. Geplant sind fünf Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 60 bis 70 Wohnungen. Einen Teil davon erwirbt die Gemeinde. Ein Knackpunkt ist die Verkehrssituation. Die Erschließung soll über Frühlingstraße und Valleyer Weg erfolgen. Anrainer befürchten ein Verkehrschaos, zumal es sich jetzt schon am Bahnübergang staue. Gemeinde und Quest wollen mit einem Mobilitätskonzept gegensteuern, das unter anderem Autoverzichtserklärungen enthält. Anwohner hatten zudem die Massivität der Bebauung kritisiert.

Im Zuge der Bürgerbeteiligung, die Korbinian Kroiss von nonconform übernahm, haben sich laut Planer folgende Themen als wichtig herauskristallisiert: Zum einen würden sich viele Bürger einen Treffpunkt für alle wünschen. „Mit der Möglichkeit, unter Bäumen zu sitzen“, meint Bredow. Auch der Platz am Bahnübergang spiele eine wichtige Rolle. „Dort finden bei geschlossener Schranke spontane und informelle Treffen statt.“ Nach Ansicht der Bürger soll das neue Wohnquartier für alle Menschen „durchwegbar sein“. Es soll viel Grün, eine hohe Aufenthaltsqualität und Raum für Aktivitäten geben. Ein Gemeinschaftsgarten und Obstbäume seien gewünscht, genau wie ein Mehrgenerationenwohnen, eine Betreuung durch Pflegedienste oder eine ambulant betreute Wohngemeinschaft. Außerdem sprachen sich die Leute laut Bredow für ein Mobilitätskonzept aus, von dem auch die jetzigen Bewohner über Car- oder Bikesharing profitieren. Und: Der Bahnübergang sollte modernisiert werden.

Anwohner Gerz, der bei Nachbarschaftswerkstatt und Ideenbüro mitmachte, bleibt zurückhaltend. „Die Idee mit den Klötzchen war zwar gut“, sagt er. Allerdings sei bei der Betrachtung des Modells genau das herausgekommen, was er befürchtet habe: „Die Bebauung wird zu massiv.“ Er hat festgestellt: „Das Modell war immer dann am schönsten, wenn noch ein paar Klötzchen übrig geblieben sind.“ Heißt: Je weniger, desto besser. „Da bin ich nicht der Einzige, der das so sieht.“ Würde sich die Gemeinde hier „einen Ticken“ bewegen, wäre schon eine Verbesserung spürbar, glaubt Gerz.

Auch für den zweiten „Brocken“, die Verkehrssituation, gebe es keine Lösung. Die Gemeinde habe „übertrieben optimistische Vorstellungen“, was das Mobilitätskonzept angehe. Das Prinzip Autoverzicht funktioniere vielleicht in der Stadt mit U-Bahn. „Hier auf dem Land sind die Leute einfach aufs Auto angewiesen“, sagt Gerz.

Für Bredow steht fest: „Wir sind jetzt in der Bringschuld.“ Gemeinsam mit Architekt Christoph von Oefele und dem Landschaftsarchitekten Uwe Schmidt soll jetzt weitergeplant werden, unter der Berücksichtigung der Bürgerwünsche. „Wir versuchen, den größten gemeinsamen Nenner zu finden.“ Zusätzlich soll Verkehrsexperte Matthias Reintjes ein Verkehrsgutachten und ein detailliertes Mobilitätskonzept erstellen. Der städtebauliche Entwurf soll bei einer digitalen Abschlusspräsentation am 26. April der Öffentlichkeit gezeigt werden. Dann ist der Gemeinderat am Zug. Laut Gerz warten viele Anwohner nun auf das Ergebnis: „Wir sind gespannt und in Lauerstellung.“

[Merkur, 31.03.2021]

06 Mrz

Quartiersmanager soll anschieben

BEZAHLBARER WOHNRAUM – Gemeinde will Kümmerer für Projekt auf Thomawiese verpflichten

Otterfing – Ein Bauplatz fehlt noch, ebenso ein klares Konzept. Dafür könnte es bald einen Kümmerer geben, der anschiebt: Für das Bauprojekt „Wohnen in Otterfing“, das unter gemeindlicher Federführung rund 25 bezahlbare Wohnungen schaffen soll, will das Rathaus womöglich bald einen „Quartiersmanager“ einstellen. „Uns wurde empfohlen, so einen Posten schon im Vorfeld des Projekts zu schaffen“, erklärte Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD) in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Wie der Rathauschef auf Nachfrage erklärt, hofft die Gemeinde auf staatliche Unterstützung. Das bayerische Sozialministerium unterstützt Quartierskonzepte im Rahmen des Förderprogramms „Selbstbestimmt Wohnen im Alter“ vier Jahre lang mit insgesamt bis zu 80 000 Euro. „Wir prüfen, ob das für uns in Frage kommt“, erklärte Rathaus-Geschäftsleiter Markus Stark in der Sitzung. Wird der Antrag bewilligt, kann die Gemeinde mit einem Eigenanteil von nur 2000 Euro im Jahr die Teilzeitstelle eines Quartiersmanagers finanzieren.

Der Tipp kam von Sabine Wenng, die für das Sozialministerium die „Koordinationsstelle Wohnen im Alter“ leitet und sich vor gut einem Jahr im Gemeinderat vorgestellt hatte. Die Gemeinde kann kostenlos auf ihre Expertise zurückgreifen. „Sie hat uns geraten, einen Quartiersmanager jetzt zu verpflichten, um schon bei der Bedarfsanalyse Unterstützung zu haben“, sagt Falkenhahn. Der Manager fungiert als Türöffner, als Koordinator, Vernetzer und Schnittstelle zu sozialen Einrichtungen. „Es geht nicht darum, unsere Organisationen zu ersetzen“, betont der Rathauschef, „es geht um fachliche Unterstützung bei einem großen Projekt.“

Ursprünglich war angedacht, auf der gemeindlichen Thomawiese ein auf Senioren maßgeschneidertes Wohnprojekt zu verwirklichen. Im Januar 2020 weitete der Gemeinderat das Konzept auf: Von den 25 angedachten, bezahlbaren Wohnungen sollen etwa zehn an jüngere Otterfinger vergeben werden. Zudem sollen auch andere Standorte geprüft werden.

Mit Unterstützung Wenngs war eine Veranstaltung geplant, um abzuklopfen, was genau die Bürger wollen, welche Konzepte sie bevorzugen und wo sie den Neubau gerne hätten. Dann kam Corona: Die Gemeinde verzichtete auf Präsenzveranstaltungen mit vielen älteren Mitbürgern im Saal. Falkenhahn hat Zweifel, ob so ein Austausch auch als Online-Meeting funktioniert. „Da braucht es Präsenz“, glaubt er. Wann das möglich sei, könne derzeit niemand sagen. Vielleicht kann bei einem solchen Termin aber schon ein Quartiersmanager die Fäden ziehen.

[Merkur, 06.03.2021]

04 Mrz

Infos rund um Bebauung am Valleyer Weg

QUEST – Internetseite ist in Betrieb – Projektdetails und Veranstaltungen zur Bürgerbeteiligung online abrufbar

Holzkirchen – Jetzt wird es ernst: Seit 1. März ist die Internetseite rund um das Bauvorhaben „Winklbauerhöfe“ am Valleyer Weg in Holzkirchen in Betrieb. Unter anderem Versehen mit Informationen und Videos, die das Projekt erklären. Das teilt die Quest AG aus Kolbermoor mit, die das Areal bebaut.

Dort erfahren Interessierte auch alles zur Bürgerbeteiligung, die den Planungsprozess flankiert und um die sich das Büro nonconform aus Rosenheim kümmert. Hierzu gibt es verschiedene Veranstaltungen, die wegen Corona hauptsächlich online stattfinden. Der Startschuss fällt am Montag, 22. März, mit einer digitalen Bürgerwerkstatt. Diese läuft von 19 bis 22 Uhr in Form eines Zoom-Meetings ab. Quest, das Münchner Architekturbüro N-V-O sowie nonconform fassen die Pläne dabei nochmals zusammen. Auch erste Vorschläge – die Bürger seit 1. März auf einer digitalen Ideenwand über die neue Internetseite einbringen können – werden dabei präsentiert. „Diese können sich etwa auf die Nutzungen, Freiraumgestaltung, Mobilität und Städtebau beziehen“, erklärt Quest.

Am Dienstag, 23. März, von 18 bis 22 Uhr, folgt ein Ideenbüro. Es wird in Präsenz unter strengen Hygieneauflagen über die Bühne gehen. „Hier können die Gemeindebürger mit Modellklötzchen direkt am Modell selber bauen“, so Quest.

Ein weiteres Zoom-Meeting richten die Verantwortlichen für Mittwoch, 24. März, von 19 bis 22 Uhr, ein, für eine Nachbarschaftswerkstatt. Es handelt sich hierbei um eine Infoveranstaltung ausschließlich für Nachbarn. Betroffene werden vorab von Quest per Post angeschrieben. Mitte Februar fand bereits ein Nachbarschaftsinfoabend statt. Laut Quest haben sich hierbei 45 Personen eingeloggt, meistens saßen die Leute jedoch zu zweit am Rechner. Das Interesse war also groß.

Eine Abschlusspräsentation am Donnerstag, 22. April, von 19 bis 21 Uhr, rundet die Bürgerbeteiligung dann ab. Dabei werden der städtebauliche Entwurf und das Projektkonzept vorgestellt. Je nach Coronalage online oder live. Am Ende entscheidet der Gemeinderat über den städtebaulichen Entwurf. Die Ergebnisse werden anschließend in einen Bebauungsplan gegossen.

Wie berichtet, baut die Quest AG auf der Wiese zwischen Valleyer Weg und Angerstraße ein neues Wohnquartier. Voraussichtlich sollen dort fünf Mehrfamilienhäuser mit insgesamt bis zu 70 Wohnungen entstehen. Anwohner hatten bereits Bedenken wegen der schwierigen Verkehrserschließung und der ihrer Meinung nach massiven Bebauung geäußert. Mithilfe der Bürgerbeteiligung wollen die Planer die Holzkirchner so gut wie möglich einbeziehen.


Auf der Internetseite www.winklbauer-hoefe.de stehen alle Infos zu dem Bauvorhaben sowie die Zugangsmöglichkeiten zu den digitalen Veranstaltungen rund um die Bürgerbeteiligung. Sie ist seit 1. März abrufbar.

[Merkur, 04.03.2021]

27 Feb

Mit Klosteranger den Zeitgeist getroffen

STÄDTEBAU – Interesse an Projekt aus ganz Deutschland – Broschüre des Bauministeriums

Weyarn – Der Klosteranger in Weyarn bekommt oft Besuch. Bürgermeister Leonhard Wöhr empfängt regelmäßig Amtskollegen, die sich für das Projekt interessieren. Jetzt ist das dort realisierte Mehrgenerationenwohnen beispielhaft in einer Broschüre des Bayerischen Bauministeriums aufgeführt.

Vor elf Jahren stellte der damalige Weyarner Bürgermeister Michael Pelzer erste Entwürfe für eine Bebauung des Klosterangers im Gemeinderat vor. In die weiteren Planungen waren die Bürgerarbeitskreise eng eingebunden, und so hat es der Klosteranger nun in eine neu erschienene Broschüre des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr geschafft.

Die Corona-Krise kommt auch in dieser Broschüre zur Sprache. „Sie führt uns einmal mehr vor Augen, wie wichtig intakte Quartiere und Nachbarschaften mit attraktiven Grün- und Freiräumen sind, in denen man sich wohlfühlen kann, in denen man gegebenenfalls auch gerne viel Zeit verbringen kann“, schreibt Bau- und Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) in ihrem Vorwort. Und weiter: „Im Idealfall bieten sie Raum für soziale Kontakte, Nahversorgung und Erholung. Auch die Fragen Leben im Alter und Barrierefreiheit spielen hier herein.“

Kriterien, die alle auf das Weyarner Quartier am Klosteranger zutreffen. Bürgermeister Wöhr bestätigt das. „Der Klosteranger ist ein Ort mit hoher Aufenthaltsqualität geworden“, sagt er. „Er wird gut angenommen, nicht nur von den Anwohnern.“ Viele Bürger würden den Weg zum Supermarkt nutzen, ältere Menschen gingen dort spazieren, Kinder sausten zwischen den Spielplätzen umher. „Egal wann, man trifft dort immer jemanden.“ Für eine Mischung der Generationen sorgt das Angebot unterschiedlich großer Wohnungen. Neben Reihen- und Doppelhäusern entstanden in sieben Häusern 70 Eigentumswohnungen. Alle sind barrierefrei. Flächen von 44 bis 113 Quadratmetern bieten Unterkunft für Singles, Paare und Familien.

„Es leben dort zwar nicht die 80-Jährigen“, berichtet Betty Mehrer. „Aber etwa ein Drittel der Anwohner ist um die 60 Jahre alt.“ Mehrer ist Gemeinwesenarbeiterin in Weyarn und als Angestellte der Stiftung Liebenau außerdem für das Quartiermanagement am Klosteranger verantwortlich. Mit der Gestaltung der Häuser ist sie zufrieden. So gebe es kleine und große Wohnungen, die unmittelbar nebeneinanderliegen und sogar verbunden werden könnten. Sie sind geeignet etwa für Familien und Großeltern. Ein großzügiges und helles Treppenhaus kann wie ein Gemeinschaftsraum für Treffen genutzt werden.

Voraussetzung für diese Gestaltung war die Bereitschaft des Investors – die Quest AG aus Kolbermoor – auf die Wünsche der Gemeinde einzugehen. Dazu zählten kleinere Wohnungen, eine öffentliche, autofreie Grünanlage und ein Supermarkt. Weyarn hat am Ende all das bekommen. Bürgermeister Wöhr weiß um diese Besonderheit. „Es ist ja nicht ganz alltäglich, dass bei einem Projekt, das mit einem Investor umgesetzt wird, Wünsche aus der Bürgerbeteiligung einfließen“, sagt der Bürgermeister.

Die Bürgerbeteiligung sei das eine, warum sich viele „kommunale Entscheidungsträger“ für den Klosteranger interessieren und in Weyarn vorbeikommen – erst kürzlich sei ein Bürgermeister aus Rheinland-Pfalz zu Besuch gewesen, berichtet Wöhr. Das andere sei der „städtebauliche Gedanke, der hinter dem Konzept steht“. Dazu gehörten auch die Tiefgarage und die Nahwärmeversorgung. Wöhr gibt seine Erfahrungen gerne weiter und meint: „Mit dem Klosteranger haben wir den Zeitgeist getroffen.“

Infobroschüre

Das 120 Seiten starke Heft „Zukunftsweisender Städtebau – integriert, flexibel, bürgernah“ informiert über städtebauliche Lösungsansätze und liefert dazu Beispiele aus der Praxis. Das Projekt in Weyarn steht unter dem Titel „Mehrgenerationenwohnen am Klosteranger“. Die Broschüre steht unter www.stmb.bayern.de/assets/stmi/buw/staedtebau/zukunftsweisender-staedtebau.pdf zum Download bereit.

[Merkur, 27.02.2021]

23 Feb

„Wohnraumoffensive“: Regierung lobt sich, Verbände kritisieren

Bezahlbarer Wohnraum ist das Ziel der „Wohnraumoffensive“: Die Bundesregierung sieht sich dabei auf Kurs. Immobilien- und Sozialverbände sind hingegen ernüchtert, scharfe Kritik kommt auch von der Opposition.

Auf ihrem Wohngipfel hat die Bundesregierung die Ergebnisse ihrer Politik in diesem Bereich diskutiert. Fazit: Die Zwischenbilanz könne sich „wirklich sehen lassen“, so Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Gleichzeitig betonte sie, der Wohnungsbau bleibe eine „permanente Aufgabe“. Bauwirtschaft und Mietervertreter dagegen äußerten Kritik; sie warfen der Regierung Versäumnisse bei der Wohnungsbauförderung und bei der Sicherung bezahlbaren Wohnens vor.

[…]

Städtetag: Zahl der Sozialwohnungen schrumpft

Jährlich fielen über 60.000 Wohnungen durch Fristablauf aus der Sozialbindung und „deutlich weniger“ Sozialwohnungen kämen neu hinzu, erklärte Städtetags-Vizepräsident Markus Lewe. Dadurch seien zwischen 2002 und 2019 etwa 1,2 Millionen Sozialwohnungen verloren gegangen.
Kritik von Baugewerkschaft und Mieterbund

Die Gewerkschaft IG BAU rechnet bis Ende 2021 mit „bestenfalls 1,2 Millionen Neubauwohnungen“. Gewerkschaftschef Robert Feiger warf Seehofer einen „unfairen Griff in die Trickkiste der Statistik“ vor, weil der Minister aktuelle Baumaßnahmen sowie Baugenehmigungen mitzähle. „Im Rohbau kann man nicht wohnen. Und auf einer Baugenehmigung schon mal gar nicht.“

Die Regierung habe ihr Ziel „schlichtweg verfehlt“ und insbesondere beim sozialen Wohnungsbau versagt, kritisierte auch der Präsident des Deutschen Mieterbunds, Lukas Siebenkotten, in den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Mit Blick auf die kommende Legislaturperiode forderte Siebenkotten ein eigenes Bauministerium.

Vollständiger Artikel: https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/wohnraumoffensive-regierung-lobt-sich-verbaende-kritisieren,SPqzE7s

[BR, 23.02.2021]

18 Feb

Älterer Hausbesitzer sucht Wohnung

Die Kinder sind längst ausgezogen, und das große Haus samt Garten ist zur Last geworden. So ergeht es vielen älteren Bürgern in Holzkirchen – während junge Familien dringend Wohnraum suchen. Die Quest AG tritt als Vermittler in solchen Fällen auf.

Holzkirchen/Weyarn – Johann Walser hat es nie bereut. „Ich bin sehr zufrieden mit der Geschichte“, sagt der 63-Jährige. Früher wohnte er in einem Haus in Holzolling, mit schönem Garten und Teich. „Das Garteln war mein Hobby“, erzählt der Rentner. Doch als er älter wurde, fiel ihm diese Arbeit immer schwerer. Das schöne Grün wurde plötzlich zur Last. Heute lebt Walser mit seiner Frau in einer Wohnung am Weyarner Klosteranger. Garten gießen, Schneeräumen, Mülltonne rausstellen, mehrere Stockwerke putzen: All das fällt weg. „Ich genieße es, dass ich mich jetzt um nichts mehr kümmern muss.“

Denn Walser, übrigens der ehemalige Geschäftsleiter im Weyarner Rathaus, hat ein Angebot angenommen, das die Quest AG aus Kolbermoor ihm gemacht hat. Die Firma, die den Klosteranger bebaute, half ihm während seines Einzugs in die neue Wohnung dabei, sein altes Haus zu veräußern. Dort zog eine Familie mit Kind ein. Dieses „Häusertausch-Projekt“ möchte Quest nun auch in Holzkirchen aufziehen. Dort bebaut der Investor die Wiese am Valleyer mit Mehrfamilienhäusern (wir berichteten).

Die Problematik greift auch das Ortsentwicklungskonzept der Marktgemeinde auf. „In älteren Einfamilienhausgebieten leben meist viele ältere Alleinstehende oder Paare“, heißt es dort. „Die Häuser wurden für Familien gebaut, sind aber oft nicht mehr entsprechend genutzt.“ Kinder sind ausgezogen, Ehepartner womöglich schon gestorben. Die Verbliebenen schaffen es im Alter oft nicht mehr, ihr Anwesen zu bewirtschaften. Zudem sind die Häuser meist nicht barrierefrei. „Ein eigenständiges Leben im Alter ist aufgrund dieser Rahmenbedingungen oftmals erschwert.“ Daher sei es wichtig, in unmittelbarer Nähe attraktive Alternativen für diese Bevölkerungsgruppe anzubieten, empfiehlt das Konzept. Mit barrierefreien Wohnungen in passender Größe. „Gleichzeitig werden die Einfamilienhäuser für junge Familien frei.“

Genau hier setzt Quest an, wie Vorstandsvorsitzender Max von Bredow erklärt: „Wir haben gemerkt, dass sich die Zeiten geändert haben.“ Früher wollten die Leute nicht aus ihrem Eigenheim heraus. Heutzutage aber hingen viele nicht mehr so an ihrem Eigentum, berichtet Bredow. Im Gegenteil: Die meisten machen sich bereits mit 60 Gedanken darüber, wo sie ihren Lebensabend verbringen. Sie befreien sich also frühzeitig von zu groß gewordenen Häusern und suchen sich eine kleinere, barrierefreie Wohnung. Am liebsten im eigenen Viertel, damit sie im sozialen Umfeld bleiben.

Deshalb sehe das Ortsentwicklungskonzept Quartierszentren vor, ähnlich dem, was am Valleyer Weg entstehe. Geschäfte, Ärzte und Bushaltestellen seien von dort aus fußläufig erreichbar. Denkbar seien in diesen Zentren ferner ambulant betreute Wohngruppen.

Doch gerade im Alter fällt eine Veränderung oft schwer. Haus verkaufen, neue Wohnung finden, die Finanzierung. Ein stressiges Unterfangen. Quest begleitet und unterstützt Interessierte bei diesem Prozess, verlangt dafür aber eine Provision. Schon am Weyarner Klosteranger trat Quest als Vermittler auf.

In Bad Feilnbach im Kreis Rosenheim, wo Quest ebenfalls eine Wohnanlage baut, wird das Projekt über einen Immobilienzirkel verfeinert. Also eine Internetplattform, wo beispielsweise ein älterer Mann sein Einfamilienhaus anbietet und zugleich Einheimischen einen Vorkaufszeitraum einräumt. Nur wer sich bei Quest anmeldet, bekommt Zugang zur Plattform. Ähnliches sei für das neue Wohnquartier am Valleyer Weg denkbar.

Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) befürwortet den Vorstoß. „Das ist eine pfiffige Marketingidee.“ Die Gemeinde habe damit allerdings wenig zu tun. Immerhin sei Quest ein privater Bauträger. Einem, dem das Konzept gut gefällt, ist Grünen-Gemeinderat Robert Wiechmann: In den 50er und 60er Jahren, als Holzkirchen wuchs, habe man noch ganz anders gebaut, sagt er. Das Einfamilienhaus mit großem Grundstück galt damals als Maßstab. Inzwischen aber würden sich viele ältere Leute beklagen. „Das sind keine Einzelfälle.“ Quest packe dieses Problem an. „Das ist bestimmt nicht uneigennützig, aber ja auch nicht unlauter.“

[Merkur, 18.02.2021]

18 Feb

Miete zehrt Kaufkraft auf

In München lässt es sich gut leben – und teuer. Zwar haben die Bewohner der bayerischen Landeshauptstadt die höchste Kaufkraft in der Republik, sie müssen aber noch weit mehr für die teuren Mieten an der Isar hinlegen.

München/Nürnberg – Die Kaufkraft in München ist am höchsten und liegt 33 Prozent über dem Durchschnitt in Deutschland. Allerdings liegt der Anteil der Miete zum Deutschlandschnitt bei 233 Prozent. Das heißt, ein Münchner muss eine um 133 Prozent höhere Miete zahlen als der Mittelwert von Deutschland. Letzterer würde bei einem Quadratmeterpreis von acht Euro für eine 75 m2 große Wohnung bei 600 Euro liegen. In der Isarmetropole würde eine gleichgroße Wohnung 1395 Euro Miete (18,60 Euro/m2) kosten, also mehr als doppelt so viel.

In vielen deutschen Großstädten verdient die Bevölkerung zwar überdurchschnittlich gut, die Mieten sind aber oft noch viel höher als im Bundesdurchschnitt. Vor allem in München und Frankfurt stehen die hohen Mieten in keinem angemessenen Verhältnis zur Kaufkraft. Das zeigt eine Analyse der Immowelt AG, bei der die angebotenen Kaltmieten mit der durchschnittlichen Kaufkraft pro Kopf verglichen wurden. Die Daten zur Kaufkraft stammen von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Nürnberg aus dem Jahr 2020. Den größten Unterschied gibt es in München: Hier liegt die Kaufkraft bei 31 385 Euro pro Kopf und Jahr. Der Bundesdurchschnitt beträgt 23 637 Euro.

Ähnlich wie in München ist es auch in Frankfurt. Das verfügbare Einkommen pro Einwohner liegt, auch aufgrund gut dotierter Jobs in der Bankenbranche, 12 Prozent über dem Deutschlandwert – die Mieten übertreffen den Wert allerdings um 83 Prozent. Im Mittel 14,60 Euro pro Quadratmeter kostet in Frankfurt eine Mietwohnung.

In Berlin wurde aufgrund der zuletzt stark gestiegenen Mietpreise 2019 der Mietendeckel beschlossen. Laut Immowelt scheint der Mietendeckel bereits eine Auswirkung auf die Preise zu haben.

Dennoch gehen Mietpreise und Kaufkraft in der Hauptstadt weit auseinander. Mieter zahlen dort im Median 12,50 Euro pro Quadratmeter – 56 Prozent mehr als das Deutschlandmittel. Doch im Gegensatz zu München oder Frankfurt ist das verfügbare Einkommen unterdurchschnittlich. Die Kaufkraft pro Einwohner in Berlin liegt bei 21 829 Euro und somit acht Prozent unter dem Bundesmittel.

Auch beim Blick auf die reichsten Landkreise Deutschlands zeigt sich, dass die Strahlkraft der Großstädte häufig bis ins Umland reicht. Die Landkreise mit dem höchsten verfügbaren Einkommen liegen allesamt in den Einzugsgebieten von München, Frankfurt oder Stuttgart. Die Bewohner im reichsten Landkreis Starnberg haben zwar pro Kopf 41 Prozent mehr Kaufkraft als der Rest der Republik, sie müssen aber eine um 69 Prozent höhere Miete bezahlen (13,50 Euro). Im Landkreis München sind die Mietpreise mit 15 Euro pro Quadratmeter sogar noch teurer und fast doppelt so hoch wie im Deutschlandmittel. Die Kaufkraft liegt allerdings nur 36 Prozent über dem deutschlandweiten Durchschnitt.

Mietpreis-Prognose

Corona belastet durch Kurzarbeit, gestrichene Arbeitsplätze oder insolvente Unternehmen. Auf Dauer könnte das die Kaufkraft deutlich mindern. Die Mieten in den größten deutschen Städten klettern dagegen trotz Pandemie 2021 weiter nach oben. Grund dafür ist die anhaltend hohe Nachfrage nach Wohnungen bei gleichzeitig sinkendem Angebot. Die einzigen untersuchten Städte, in denen Rückgänge vorausgesagt werden, sind Berlin (-5 %/Mietendeckel) und Hamburg (- 1 %). In Hamburg machen sich die große Neubauaktivität und Sättigungseffekte bemerkbar.

[Merkur, 18.02.2021]