23 Mai

Neubaumieten werden immer teurer

Zwei Studien belegen Preisanstieg – 270 Euro Differenz zu Bestandswohnung

Dass die Mieten in München teuer sind, ist nicht neu. Wie teuer sie sind, das ist dann aber doch immer wieder unfassbar. Schwarz auf weiß belegen das zwei neue Untersuchungen: der neue „Residential Report Deutschland“ für 2020 der Firma BNP Paribas Real Estate und eine Erhebung des Portals Immowelt.

Der Residential Report dokumentiert die Preisentwicklungen für Mieten und Neubauten in ganz Deutschland für den Zeitraum zwischen 2014 und 2020, aufgeschlüsselt nach einzelnen Städten. München ist ihm zufolge immer noch der teuerste Standort vor Berlin, Frankfurt und Stuttgart.

Außerdem ist die Bayerische Landeshauptstadt unter den Metropolen Deutschlands unangefochtener Spitzenreiter, was Neubaupreise für Eigentumswohnungen betrifft: Ganze 9400 Euro pro Quadratmeter muss man im Schnitt für ein neu gebautes Eigenheim hinlegen – 59 Prozent mehr als vor sechs Jahren. Da waren es noch 5900 Euro pro Quadratmeter.

Aber nicht nur die Baupreise für Eigentumswohnungen klettern unaufhaltsam, sondern auch die Entwicklung der Mietpreise: Vor allem die Entwicklung in und um Schwabing bis nach Freimann ist enorm. Seit 2014 stieg die durchschnittliche Miete von Bestandswohnungen um ganze 53 Prozent. Sie liegt mittlerweile bei 24,25 Euro pro Quadratmeter. In Neuhausen sieht es kaum besser aus: Hier ist die Miete seit 2014 um 49 Prozent gestiegen, der Durchschnitt liegt bei 22,95 Euro pro Quadratmeter. Im oberen Segment von Wohnungen ist die Entwicklung noch weitaus krasser: Seit 2014 sind die Mieten im höherpreisigen Bereich um stolze 64 Prozent gestiegen.

Eine vergleichsweise niedrige Zunahme hat die Gegend von Forstenried bis Obersendling: „Nur“ 31 Prozent teurer sind hier Bestandswohnungen geworden, die Mieten für Neubauten sind um 38 Prozent gestiegen. Immerhin: Zusammen mit Frankfurt hat München die niedrigste Leerstandsquote aller Metropolen zu verzeichnen: Die liegt seit fünf Jahren stabil bei 0,2 Prozent.

Auch für die Zukunft prognostiziert der Report für den Münchner Wohnungsmarkt eine angespannte Situation. Immer weiter und vor allem kontinuierlich steigende Mieten deuten nicht drauf hin, dass sich die Lage entspannen wird. Und auch wenn in den letzten Jahren im Schnitt 7000 neue Wohnungen gebaut wurden, reichen die nicht aus, um die stetig hohe Nachfrage zu decken.

Laut der Studie von Immowelt müssen Mieter in der Bayerischen Landeshauptstadt deutlich mehr für eine Neubauwohnung zahlen als für eine Bestandswohnung. Die Miete für eine neue 80-Quadratmeter-Wohnung mit drei Zimmern im zweiten Stock (Baujahr 2017 und jünger) kostet im Durchschnitt 1570 Euro. Die Angebotsmieten von Bestandswohnungen liegen bei 1300 Euro – und sind damit immer noch deutlich teurer als die von Neubauten in anderen deutschen Städten. So zahlt man etwa in Berlin, Hamburg, Köln und Frankfurt „nur“ 980, 1070, 1010 und 1160 Euro für Neubauwohnungen. Abgeschlagen am Ende der Liste liegt Essen, wo man im Schnitt 680 Euro für den Neubau hinlegt.

Die Differenz zwischen Neubau- und Bestandswohnungsmieten ist mit 270 Euro in München ebenfalls deutlich größer als andernorts. Nur in Stuttgart ist die Kluft noch breiter, die Schwabenmetropole führt mit 310 Euro vor München die Liste an (siehe Grafik). Auch in hochpreisigen Großstädten wie Hamburg und Frankfurt beträgt die Differenz zwischen Neubau und Bestand schon über 200 Euro. In Düsseldorf ist sie mit 130 Euro noch vergleichsweise gering.

[Merkur, 28.04.2021]

22 Apr

Es geht auch günstig

Genossenschaften, Wohnungsbauunternehmen & Co. schaffen Miet-Paradiese

Wohnen in München ist teuer, so teuer wie in keiner anderen Großstadt Deutschlands. Doch es geht auch anders. Die 58 Mitglieder der Vereinigung Münchner Wohnungsunternehmen (VMW) machen bezahlbaren Wohnraum möglich. Sie bewirtschaften rund 141 000 Wohnungen, 17 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes. Die durchschnittliche Nettokaltmiete liegt bei 7,54 Euro pro Quadratmeter. Der Schnitt für München beträgt 12,05 Euro. Wie das geht? Unsere Zeitung hat sich vier Projekte angesehen.

Senioren-Wohnen im Westend

„Gemeinsam statt einsam“ lautet der Grundsatz des Vereins „Generationengerechtes Wohnen“ der Wohnungsgenossenschaft München-West (WGMW). Als bestes Beispiel dafür gilt das Senioren-Wohnprojekt an der Barthstraße (Westend). Ein wahres Paradies. Neun Wohnungen gibt’s hier seit zehn Jahren. Die Senioren haben ihre eigenen vier Wände und sind doch eine Gemeinschaft. Von Beginn an mit dabei ist Doris Pencik.

Über mehrere Zufälle kam die 77-Jährige zu ihrer Genossenschaftswohnung – gerade zur rechten Zeit. Nach einem Unfall war Pencik nämlich fünf Jahre lang auf einen Rollstuhl angewiesen. Die Wohnanlage ist komplett barrierefrei. „Ich kann es jedem nur raten, sich einer Genossenschaft anzuschließen.“ Das ist aber nicht so leicht.

„Die Nachfrage der aktuell rund 5000 Mitglieder nach den 3440 Wohnungen der WGMW liegt bereits sehr deutlich über den Neuvermietungsmöglichkeiten“, sagt der Vorsitzende Thomas Schimmel. Die Erwartung von weiteren Mitgliedern an eine zeitnahe Wohnraumversorgung ließe sich daher zurzeit nicht erfüllen.

Pencik fühlt sich in ihrer rund 50 Quadratmeter großen Wohnung wohl. Die durchschnittliche Miete in der Anlage beträgt 9,38 Euro pro Quadratmeter. „Früher habe ich in Schwabing sehr groß gewohnt“, erzählt sie. „Jetzt aufs Wichtigste reduziert zu leben, war wichtig für mich.“ Es gebe ein abwechslungsreiches Freizeitangebot. „Besonders wichtig ist mir, dass man vieles machen kann, aber nicht muss.“ Die VMW-Durchschnittsmiete im Westend: 7,05 Euro.

Das Katholische Siedlungswerk in Laim

Um nach dem Krieg Familien und Obdachlosen eine Unterkunft zu bieten, wurde 1949 das Katholische Siedlungswerk München (KSWM) gegründet. Heute verwaltet das KSWM knapp 3000 eigene und 1000 fremde Wohnungen. Hauptgesellschafter der GmbH ist die Diözese München und Freising.

„Bei uns gibt es keine Warteliste“, berichtet Geschäftsführer Stefan Geissler. Eine freie Wohnung wird für einen Tag im Internet auf Immoscout gestellt. Grundsätzlich kann sich jeder mit dem KSWM-Selbstauskunftsbogen bewerben. Zwei Gruppen werden bevorzugt: Bestandsmieter und kirchliche Mitarbeiter.

Davon profitierte auch eine 75-Jährige, die namentlich nicht genannt werden möchte. Sie arbeitete von 1967 bis 2012 im Ordinariat des Erzbistums und wohnt seit 1989 in einer der KSWM-Wohnanlagen. „Ich habe Glück gehabt“, sagt sie. Die Rentnerin ist hochzufrieden mit ihrer Wohnung an der Ludwig-Richter-Straße (Laim). Durchschnittsmiete pro Quadratmeter der 50 Wohnungen dort: 9,99 Euro.

„Die günstigen Mieten sind nur über den Bodenwertanteil möglich“, sagt Geissler. In Freiham startet das KSWM 2022 ein Modellprojekt mit 72 Wohnungen, bei dem die anfängliche Miete acht Euro pro Quadratmeter nicht übersteigt. Möglich macht das der niedrige Erbbauzins seitens der Stadt. 2019 gab das KSWM bekannt, für drei Jahre die Mieten nicht zu erhöhen. Die VMW-Durchschnittsmiete Laim: 7,34 Euro.

Lange Warteliste in Neuhausen

Daniel Kitic ist ein Genossenschaftskind. Schon seine Eltern waren Mitglieder der Baugenossenschaft München von 1871 – Deutschlands ältester aktiver Wohnungsbaugenossenschaft. Kitic hat seine eigene Familie gegründet und ist in eine Genossenschaftswohnung in der Blutenburgstraße (Neuhausen) gezogen. Die Kitics setzen die Tradition fort: Beide Töchter kamen gar als Hausgeburten auf die Welt.

Insgesamt hat die Baugenossenschaft in München sechs Wohnanlagen mit rund 1000 Wohnungs- und Gewerbeeinheiten. Eine Wohnung zu bekommen, ist nicht so leicht. „Unsere Wohnungen werden nur an Mitglieder vergeben, die auf einer langen Warteliste stehen und sich zum Teil Jahrzehnte gedulden müssen“, sagt Vorstandsmitglied Gerhard Ongyerth. Kitic hatte Glück, als eines der 1400 Mitglieder eine Wohnung zu bekommen.

Als Kind eines Genossenschaftsmitglieds habe man laut Satzung Anspruch darauf, erklärt er. Der 38-Jährige ist stolz, Teil der Genossenschaft mit den Werten, die sie vertritt, zu sein und seit 2017 im Aufsichtsrats zu sitzen. Die Mieten werden dafür verwendet, die Wohnanlagen, die teilweise noch von den ersten Mitgliedern selber gebaut wurden, zu renovieren. 800 Euro Kaltmiete für 92 Quadratmeter zahlt Kitic. Die VMW-Durchschnittsmiete Neuhausen: 7,96 Euro.

Die größte Vermieterin in Bogenhausen

Die größte Vermieterin der Stadt ist die Wohnungsbaugesellschaft Gewofag. Rund 37 000 Wohnungen und Gewerbeeinheiten hat sie in ihrem Bestand. Fast 700 Wohnungen errichtet sie derzeit im Prinz-Eugen-Park an der Cosimastraße (Bogenhausen) in unterschiedlichen Förder- und Vermietmodellen.

Der Großteil der Gewofag-Wohnungen wird über das städtische Portal SOWON, Soziales Wohnen online, vermietet. „Hierfür stellen Interessenten einen Antrag, der vom Amt für Wohnen und Migration geprüft wird“, erklärt Geschäftsführer Klaus-Michael Dengler. Wenn das Anrecht bestehe, sei es möglich, sich auf www.sowon-muenchen.de für Wohnungen zu bewerben. Einen Wohnberechtigungsschein bekommt man beispielsweise auf dem ersten Förderweg, wenn das jährliche Nettogehalt unter 22 600 Euro liegt.

Ein anderer Weg: „Die Wohnungen im kommunalen Förderprogramm München-Modell, das sich an Menschen mit mittlerem Einkommen richtet, vermieten wir direkt über immobilienscout24“, sagt Dengler. Hier liege die Kaltmiete bei 9,90 Euro. Die Einkommensgrenze im München-Modell für ein Paar mit zwei Kindern: 102 800 Euro Bruttoeinkommen jährlich. Die VMW-Durchschnittsmiete Bogenhausen: 8,98 Euro.

[Merkur, 22.04.2021]

13 Apr

Immobilienpreise weiter auf Höhenflug

Landkreis – Die Immobilienpreise im Landkreis sind weiter auf dem Höhenflug. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat die Nachfrage nach Wohnimmobilien in Bayern noch mal zugenommen. Das geht aus dem aktuellen Marktspiegel der Sparkassen-Finanzgruppe hervor.

Der Marktspiegel listet auch die Immobilienpreise im Landkreis auf. Für ein Baugrundstück werden derzeit im Schnitt pro Quadratmeter 850 Euro (Miesbach-Schliersee-Leitzachtal), 1000 Euro (Holzkirchen) und 1400 Euro (Tegernseer Tal) fällig. Ein Doppel- oder Reihenhaus kostet 900 000, eine Million beziehungsweise 1,3 Millionen Euro. Für eine Eigentumswohnung müssen Interessierte im Schnitt 6500, 7500 und 9400 Euro pro Quadratmeter bezahlen. Die Spitzenwerte liegen in allen Fällen deutlich darüber. Für Baugrundstücke werden im Landkreis bis zu 2500 Euro pro Quadratmeter aufgerufen, für Eigentumswohnungen im Tegernseer Tal sogar bis zu 17 500 Euro pro Quadratmeter.

[Merkur, 13.04.2021]

01 Apr

Großhartpenning darf wachsen

Bauausschuss will Baurecht für mehrere Einfamilienhäuser schaffen

Holzkirchen – Am Ortsrand von Großhartpenning an der Piesenkamer Straße sind mehrere neue Einfamilienhäuser geplant. Der Bauausschuss ebnet diesem Ansinnen nun den Weg: Das Gremium hat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, den Bebauungsplan 105 für das Gebiet an der Tölzer Straße um die betreffenden fünf Grundstücke zu erweitern und damit für alle Baurecht zu schaffen.

Die Flächen liegen am Ortsrand von Großhartpenning, südlich der Tölzer Straße und östlich der Piesenkamer Straße, über die vier der geplanten Parzellen auch erschlossen werden sollen. Auf zwei der Grundstücke besteht nach Ansicht des Landratsamts bereits Baurecht, weil sie dem Innenbereich zuzurechnen sind. Die Eigentümer hätten geerbt und wollten dort nun Wohnraum für sich selbst schaffen, erläuterte Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) im Bauausschuss den Sachverhalt. Zwei weitere Grundstücke und eine benachbarte Fläche eines weiteren Eigentümers, der zwischenzeitlich ebenfalls einen Bauwunsch angemeldet hat, liegen allerdings im Außenbereich. Um dort Baurecht zu schaffen, muss die Marktgemeinde diese erst dem Bebauungsplan zuschlagen.

Jessica Schröder von der Bauamt-Verwaltung erläuterte, dass von den Bauwerbern niemand „hochtrabende Geschossbaupläne“ verfolge. Damit entkräftete sie mögliche Bedenken, die auf das Erscheinungsbild Großhartpennings abzielen. Die Eigentümer stellen sich jeweils ein neues Einfamilienhaus mit einer Einliegerwohnung in ortsüblichem Baustil und einer sich in den Bestand einfügenden Grundfläche vor.

Martin Taubenberger (FWG) begrüßte die Pläne der Bauwerber. „Wenn Einheimische schon das Glück haben zu erben, dann kann man das machen“, fand er. Und auch Schmid betonte, er wolle, dass die nächste Generation Holzkirchner hier wohnen könne. Der Bauausschuss hat die Änderung des Bebauungsplans mit einstimmigem Beschluss – unter Ausschluss von Hubert Müller (FWG) als persönlich Beteiligtem – auf den Weg gebracht.

[Merkur, 01.04.2021]

31 Mrz

Geld für die Erschließung an Spitzwegstraße

Holzkirchen – An der Spitzwegstraße in Holzkirchen soll ein neues Wohngebiet entstehen. Wie berichtet, sind dort auf der grünen Wiese insgesamt 14 Wohneinheiten geplant, verteilt auf sechs Einfamilienhäuser, ein Doppelhaus sowie zwei Dreispänner. Den entsprechenden Änderungsbeschluss des Bebauungsplans fasste der Gemeinderat im September 2020.

Jetzt muss das Gebiet zwischen Andreas-Mitterfellner-Straße und Flintspachstraße erschlossen werden. Johann Kellner, Leiter Bauamt-Technik, erklärte im Gemeinderat nun alles rund um die Ausschreibung zur Planungsleistung der Spitzwegstraße. Laut Kellner muss für die Erschließung der Wohnbebauung eine neue Straße gebaut werden, auch die Oberflächenentwässerung ist in dem Paket drin. Angedacht sei ein Straßenraum von fünf Metern sowie ein zwei Meter breiter Gehweg. Stellenweise sollen Längsparkstände entstehen. Der bestehende Wertstoffcontainer-Platz soll bleiben.

Die Kosten für die Erschließung belaufen sich laut Kellner auf rund 680 000 Euro. Weil es sich um eine Erst-Erschließung handle, können 90 Prozent der Kosten auf die Anlieger umgelegt werden. Den Rest übernimmt die Gemeinde. Der Gemeinderat beauftragte die Verwaltung damit, das Vergabeverfahren für die Planungsleistung durchzuführen. Außerdem ermächtigte das Gremium Bürgermeister Christoph Schmid (CSU) dazu, den wirtschaftlichsten Bieter zu beauftragen und den Ingenieurvertrag abzuschließen. Beide Beschlüsse fielen einstimmig. Die Erschließungsarbeiten sollen im Jahr 2022 beginnen, so Kellner. Der weitere Zeitplan sei noch offen.

[Merkur, 31.03.2021]

31 Mrz

Die Suche nach dem gemeinsamen Nenner

VON MARLENE KADACH

Ein Treffpunkt unter Bäumen, Mehrgenerationenwohnen sowie Bike- und Carsharing: Das wünschen sich Holzkirchner für das geplante Quartier „Winklbauerhöfe“ am Valleyer Weg. Die Bürgerbeteiligung zu dem Projekt wurde gut angenommen. Die Skepsis einiger Anwohner aber bleibt.

Holzkirchen – Die Wahrnehmung ist unterschiedlich. „Die Interessenlage ist jetzt zwar klarer“, sagt Anwohner Christoph Gerz. „Aber die Lage hat sich nicht grundlegend geändert.“ Max von Bredow, Vorstandsvorsitzender der Quest AG, sieht die Sache positiver: Zwar hätten gerade direkte Nachbarn Ängste geäußert. Bei vielen Bürgern überwiege aber der Wunsch nach bezahlbarem Wohnraum. Und: „Wir haben sehr viel über die Wünsche der Menschen und über die Bedürfnisse der heutigen Bewohner gelernt.“

Diese klopfte Bauträger Quest nun im Rahmen einer Bürgerbeteiligung zur geplanten Wohnbebauung „Winklbauerhöfe“ am Valleyer Weg ab. Drei Veranstaltungen fanden statt. Bei der digitalen Bürger- und Nachbarschaftswerkstatt nahmen laut Bredow jeweils rund 25 Haushalte teil. Beim Ideenbüro – bei dem Bürger am Modell bauen durften – machten circa 15 Haushalte mit. „Uns freut, dass die Beteiligung auch digital sehr gut funktioniert hat und so viele Menschen teilgenommen haben“, betont Bredow.

Wie berichtet, bebaut Quest eine Wiese zwischen Valleyer Weg und Angerstraße. Geplant sind fünf Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 60 bis 70 Wohnungen. Einen Teil davon erwirbt die Gemeinde. Ein Knackpunkt ist die Verkehrssituation. Die Erschließung soll über Frühlingstraße und Valleyer Weg erfolgen. Anrainer befürchten ein Verkehrschaos, zumal es sich jetzt schon am Bahnübergang staue. Gemeinde und Quest wollen mit einem Mobilitätskonzept gegensteuern, das unter anderem Autoverzichtserklärungen enthält. Anwohner hatten zudem die Massivität der Bebauung kritisiert.

Im Zuge der Bürgerbeteiligung, die Korbinian Kroiss von nonconform übernahm, haben sich laut Planer folgende Themen als wichtig herauskristallisiert: Zum einen würden sich viele Bürger einen Treffpunkt für alle wünschen. „Mit der Möglichkeit, unter Bäumen zu sitzen“, meint Bredow. Auch der Platz am Bahnübergang spiele eine wichtige Rolle. „Dort finden bei geschlossener Schranke spontane und informelle Treffen statt.“ Nach Ansicht der Bürger soll das neue Wohnquartier für alle Menschen „durchwegbar sein“. Es soll viel Grün, eine hohe Aufenthaltsqualität und Raum für Aktivitäten geben. Ein Gemeinschaftsgarten und Obstbäume seien gewünscht, genau wie ein Mehrgenerationenwohnen, eine Betreuung durch Pflegedienste oder eine ambulant betreute Wohngemeinschaft. Außerdem sprachen sich die Leute laut Bredow für ein Mobilitätskonzept aus, von dem auch die jetzigen Bewohner über Car- oder Bikesharing profitieren. Und: Der Bahnübergang sollte modernisiert werden.

Anwohner Gerz, der bei Nachbarschaftswerkstatt und Ideenbüro mitmachte, bleibt zurückhaltend. „Die Idee mit den Klötzchen war zwar gut“, sagt er. Allerdings sei bei der Betrachtung des Modells genau das herausgekommen, was er befürchtet habe: „Die Bebauung wird zu massiv.“ Er hat festgestellt: „Das Modell war immer dann am schönsten, wenn noch ein paar Klötzchen übrig geblieben sind.“ Heißt: Je weniger, desto besser. „Da bin ich nicht der Einzige, der das so sieht.“ Würde sich die Gemeinde hier „einen Ticken“ bewegen, wäre schon eine Verbesserung spürbar, glaubt Gerz.

Auch für den zweiten „Brocken“, die Verkehrssituation, gebe es keine Lösung. Die Gemeinde habe „übertrieben optimistische Vorstellungen“, was das Mobilitätskonzept angehe. Das Prinzip Autoverzicht funktioniere vielleicht in der Stadt mit U-Bahn. „Hier auf dem Land sind die Leute einfach aufs Auto angewiesen“, sagt Gerz.

Für Bredow steht fest: „Wir sind jetzt in der Bringschuld.“ Gemeinsam mit Architekt Christoph von Oefele und dem Landschaftsarchitekten Uwe Schmidt soll jetzt weitergeplant werden, unter der Berücksichtigung der Bürgerwünsche. „Wir versuchen, den größten gemeinsamen Nenner zu finden.“ Zusätzlich soll Verkehrsexperte Matthias Reintjes ein Verkehrsgutachten und ein detailliertes Mobilitätskonzept erstellen. Der städtebauliche Entwurf soll bei einer digitalen Abschlusspräsentation am 26. April der Öffentlichkeit gezeigt werden. Dann ist der Gemeinderat am Zug. Laut Gerz warten viele Anwohner nun auf das Ergebnis: „Wir sind gespannt und in Lauerstellung.“

[Merkur, 31.03.2021]

06 Mrz

Quartiersmanager soll anschieben

BEZAHLBARER WOHNRAUM – Gemeinde will Kümmerer für Projekt auf Thomawiese verpflichten

Otterfing – Ein Bauplatz fehlt noch, ebenso ein klares Konzept. Dafür könnte es bald einen Kümmerer geben, der anschiebt: Für das Bauprojekt „Wohnen in Otterfing“, das unter gemeindlicher Federführung rund 25 bezahlbare Wohnungen schaffen soll, will das Rathaus womöglich bald einen „Quartiersmanager“ einstellen. „Uns wurde empfohlen, so einen Posten schon im Vorfeld des Projekts zu schaffen“, erklärte Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD) in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Wie der Rathauschef auf Nachfrage erklärt, hofft die Gemeinde auf staatliche Unterstützung. Das bayerische Sozialministerium unterstützt Quartierskonzepte im Rahmen des Förderprogramms „Selbstbestimmt Wohnen im Alter“ vier Jahre lang mit insgesamt bis zu 80 000 Euro. „Wir prüfen, ob das für uns in Frage kommt“, erklärte Rathaus-Geschäftsleiter Markus Stark in der Sitzung. Wird der Antrag bewilligt, kann die Gemeinde mit einem Eigenanteil von nur 2000 Euro im Jahr die Teilzeitstelle eines Quartiersmanagers finanzieren.

Der Tipp kam von Sabine Wenng, die für das Sozialministerium die „Koordinationsstelle Wohnen im Alter“ leitet und sich vor gut einem Jahr im Gemeinderat vorgestellt hatte. Die Gemeinde kann kostenlos auf ihre Expertise zurückgreifen. „Sie hat uns geraten, einen Quartiersmanager jetzt zu verpflichten, um schon bei der Bedarfsanalyse Unterstützung zu haben“, sagt Falkenhahn. Der Manager fungiert als Türöffner, als Koordinator, Vernetzer und Schnittstelle zu sozialen Einrichtungen. „Es geht nicht darum, unsere Organisationen zu ersetzen“, betont der Rathauschef, „es geht um fachliche Unterstützung bei einem großen Projekt.“

Ursprünglich war angedacht, auf der gemeindlichen Thomawiese ein auf Senioren maßgeschneidertes Wohnprojekt zu verwirklichen. Im Januar 2020 weitete der Gemeinderat das Konzept auf: Von den 25 angedachten, bezahlbaren Wohnungen sollen etwa zehn an jüngere Otterfinger vergeben werden. Zudem sollen auch andere Standorte geprüft werden.

Mit Unterstützung Wenngs war eine Veranstaltung geplant, um abzuklopfen, was genau die Bürger wollen, welche Konzepte sie bevorzugen und wo sie den Neubau gerne hätten. Dann kam Corona: Die Gemeinde verzichtete auf Präsenzveranstaltungen mit vielen älteren Mitbürgern im Saal. Falkenhahn hat Zweifel, ob so ein Austausch auch als Online-Meeting funktioniert. „Da braucht es Präsenz“, glaubt er. Wann das möglich sei, könne derzeit niemand sagen. Vielleicht kann bei einem solchen Termin aber schon ein Quartiersmanager die Fäden ziehen.

[Merkur, 06.03.2021]

04 Mrz

Infos rund um Bebauung am Valleyer Weg

QUEST – Internetseite ist in Betrieb – Projektdetails und Veranstaltungen zur Bürgerbeteiligung online abrufbar

Holzkirchen – Jetzt wird es ernst: Seit 1. März ist die Internetseite rund um das Bauvorhaben „Winklbauerhöfe“ am Valleyer Weg in Holzkirchen in Betrieb. Unter anderem Versehen mit Informationen und Videos, die das Projekt erklären. Das teilt die Quest AG aus Kolbermoor mit, die das Areal bebaut.

Dort erfahren Interessierte auch alles zur Bürgerbeteiligung, die den Planungsprozess flankiert und um die sich das Büro nonconform aus Rosenheim kümmert. Hierzu gibt es verschiedene Veranstaltungen, die wegen Corona hauptsächlich online stattfinden. Der Startschuss fällt am Montag, 22. März, mit einer digitalen Bürgerwerkstatt. Diese läuft von 19 bis 22 Uhr in Form eines Zoom-Meetings ab. Quest, das Münchner Architekturbüro N-V-O sowie nonconform fassen die Pläne dabei nochmals zusammen. Auch erste Vorschläge – die Bürger seit 1. März auf einer digitalen Ideenwand über die neue Internetseite einbringen können – werden dabei präsentiert. „Diese können sich etwa auf die Nutzungen, Freiraumgestaltung, Mobilität und Städtebau beziehen“, erklärt Quest.

Am Dienstag, 23. März, von 18 bis 22 Uhr, folgt ein Ideenbüro. Es wird in Präsenz unter strengen Hygieneauflagen über die Bühne gehen. „Hier können die Gemeindebürger mit Modellklötzchen direkt am Modell selber bauen“, so Quest.

Ein weiteres Zoom-Meeting richten die Verantwortlichen für Mittwoch, 24. März, von 19 bis 22 Uhr, ein, für eine Nachbarschaftswerkstatt. Es handelt sich hierbei um eine Infoveranstaltung ausschließlich für Nachbarn. Betroffene werden vorab von Quest per Post angeschrieben. Mitte Februar fand bereits ein Nachbarschaftsinfoabend statt. Laut Quest haben sich hierbei 45 Personen eingeloggt, meistens saßen die Leute jedoch zu zweit am Rechner. Das Interesse war also groß.

Eine Abschlusspräsentation am Donnerstag, 22. April, von 19 bis 21 Uhr, rundet die Bürgerbeteiligung dann ab. Dabei werden der städtebauliche Entwurf und das Projektkonzept vorgestellt. Je nach Coronalage online oder live. Am Ende entscheidet der Gemeinderat über den städtebaulichen Entwurf. Die Ergebnisse werden anschließend in einen Bebauungsplan gegossen.

Wie berichtet, baut die Quest AG auf der Wiese zwischen Valleyer Weg und Angerstraße ein neues Wohnquartier. Voraussichtlich sollen dort fünf Mehrfamilienhäuser mit insgesamt bis zu 70 Wohnungen entstehen. Anwohner hatten bereits Bedenken wegen der schwierigen Verkehrserschließung und der ihrer Meinung nach massiven Bebauung geäußert. Mithilfe der Bürgerbeteiligung wollen die Planer die Holzkirchner so gut wie möglich einbeziehen.


Auf der Internetseite www.winklbauer-hoefe.de stehen alle Infos zu dem Bauvorhaben sowie die Zugangsmöglichkeiten zu den digitalen Veranstaltungen rund um die Bürgerbeteiligung. Sie ist seit 1. März abrufbar.

[Merkur, 04.03.2021]

27 Feb

Mit Klosteranger den Zeitgeist getroffen

STÄDTEBAU – Interesse an Projekt aus ganz Deutschland – Broschüre des Bauministeriums

Weyarn – Der Klosteranger in Weyarn bekommt oft Besuch. Bürgermeister Leonhard Wöhr empfängt regelmäßig Amtskollegen, die sich für das Projekt interessieren. Jetzt ist das dort realisierte Mehrgenerationenwohnen beispielhaft in einer Broschüre des Bayerischen Bauministeriums aufgeführt.

Vor elf Jahren stellte der damalige Weyarner Bürgermeister Michael Pelzer erste Entwürfe für eine Bebauung des Klosterangers im Gemeinderat vor. In die weiteren Planungen waren die Bürgerarbeitskreise eng eingebunden, und so hat es der Klosteranger nun in eine neu erschienene Broschüre des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr geschafft.

Die Corona-Krise kommt auch in dieser Broschüre zur Sprache. „Sie führt uns einmal mehr vor Augen, wie wichtig intakte Quartiere und Nachbarschaften mit attraktiven Grün- und Freiräumen sind, in denen man sich wohlfühlen kann, in denen man gegebenenfalls auch gerne viel Zeit verbringen kann“, schreibt Bau- und Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) in ihrem Vorwort. Und weiter: „Im Idealfall bieten sie Raum für soziale Kontakte, Nahversorgung und Erholung. Auch die Fragen Leben im Alter und Barrierefreiheit spielen hier herein.“

Kriterien, die alle auf das Weyarner Quartier am Klosteranger zutreffen. Bürgermeister Wöhr bestätigt das. „Der Klosteranger ist ein Ort mit hoher Aufenthaltsqualität geworden“, sagt er. „Er wird gut angenommen, nicht nur von den Anwohnern.“ Viele Bürger würden den Weg zum Supermarkt nutzen, ältere Menschen gingen dort spazieren, Kinder sausten zwischen den Spielplätzen umher. „Egal wann, man trifft dort immer jemanden.“ Für eine Mischung der Generationen sorgt das Angebot unterschiedlich großer Wohnungen. Neben Reihen- und Doppelhäusern entstanden in sieben Häusern 70 Eigentumswohnungen. Alle sind barrierefrei. Flächen von 44 bis 113 Quadratmetern bieten Unterkunft für Singles, Paare und Familien.

„Es leben dort zwar nicht die 80-Jährigen“, berichtet Betty Mehrer. „Aber etwa ein Drittel der Anwohner ist um die 60 Jahre alt.“ Mehrer ist Gemeinwesenarbeiterin in Weyarn und als Angestellte der Stiftung Liebenau außerdem für das Quartiermanagement am Klosteranger verantwortlich. Mit der Gestaltung der Häuser ist sie zufrieden. So gebe es kleine und große Wohnungen, die unmittelbar nebeneinanderliegen und sogar verbunden werden könnten. Sie sind geeignet etwa für Familien und Großeltern. Ein großzügiges und helles Treppenhaus kann wie ein Gemeinschaftsraum für Treffen genutzt werden.

Voraussetzung für diese Gestaltung war die Bereitschaft des Investors – die Quest AG aus Kolbermoor – auf die Wünsche der Gemeinde einzugehen. Dazu zählten kleinere Wohnungen, eine öffentliche, autofreie Grünanlage und ein Supermarkt. Weyarn hat am Ende all das bekommen. Bürgermeister Wöhr weiß um diese Besonderheit. „Es ist ja nicht ganz alltäglich, dass bei einem Projekt, das mit einem Investor umgesetzt wird, Wünsche aus der Bürgerbeteiligung einfließen“, sagt der Bürgermeister.

Die Bürgerbeteiligung sei das eine, warum sich viele „kommunale Entscheidungsträger“ für den Klosteranger interessieren und in Weyarn vorbeikommen – erst kürzlich sei ein Bürgermeister aus Rheinland-Pfalz zu Besuch gewesen, berichtet Wöhr. Das andere sei der „städtebauliche Gedanke, der hinter dem Konzept steht“. Dazu gehörten auch die Tiefgarage und die Nahwärmeversorgung. Wöhr gibt seine Erfahrungen gerne weiter und meint: „Mit dem Klosteranger haben wir den Zeitgeist getroffen.“

Infobroschüre

Das 120 Seiten starke Heft „Zukunftsweisender Städtebau – integriert, flexibel, bürgernah“ informiert über städtebauliche Lösungsansätze und liefert dazu Beispiele aus der Praxis. Das Projekt in Weyarn steht unter dem Titel „Mehrgenerationenwohnen am Klosteranger“. Die Broschüre steht unter www.stmb.bayern.de/assets/stmi/buw/staedtebau/zukunftsweisender-staedtebau.pdf zum Download bereit.

[Merkur, 27.02.2021]

23 Feb

„Wohnraumoffensive“: Regierung lobt sich, Verbände kritisieren

Bezahlbarer Wohnraum ist das Ziel der „Wohnraumoffensive“: Die Bundesregierung sieht sich dabei auf Kurs. Immobilien- und Sozialverbände sind hingegen ernüchtert, scharfe Kritik kommt auch von der Opposition.

Auf ihrem Wohngipfel hat die Bundesregierung die Ergebnisse ihrer Politik in diesem Bereich diskutiert. Fazit: Die Zwischenbilanz könne sich „wirklich sehen lassen“, so Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Gleichzeitig betonte sie, der Wohnungsbau bleibe eine „permanente Aufgabe“. Bauwirtschaft und Mietervertreter dagegen äußerten Kritik; sie warfen der Regierung Versäumnisse bei der Wohnungsbauförderung und bei der Sicherung bezahlbaren Wohnens vor.

[…]

Städtetag: Zahl der Sozialwohnungen schrumpft

Jährlich fielen über 60.000 Wohnungen durch Fristablauf aus der Sozialbindung und „deutlich weniger“ Sozialwohnungen kämen neu hinzu, erklärte Städtetags-Vizepräsident Markus Lewe. Dadurch seien zwischen 2002 und 2019 etwa 1,2 Millionen Sozialwohnungen verloren gegangen.
Kritik von Baugewerkschaft und Mieterbund

Die Gewerkschaft IG BAU rechnet bis Ende 2021 mit „bestenfalls 1,2 Millionen Neubauwohnungen“. Gewerkschaftschef Robert Feiger warf Seehofer einen „unfairen Griff in die Trickkiste der Statistik“ vor, weil der Minister aktuelle Baumaßnahmen sowie Baugenehmigungen mitzähle. „Im Rohbau kann man nicht wohnen. Und auf einer Baugenehmigung schon mal gar nicht.“

Die Regierung habe ihr Ziel „schlichtweg verfehlt“ und insbesondere beim sozialen Wohnungsbau versagt, kritisierte auch der Präsident des Deutschen Mieterbunds, Lukas Siebenkotten, in den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Mit Blick auf die kommende Legislaturperiode forderte Siebenkotten ein eigenes Bauministerium.

Vollständiger Artikel: https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/wohnraumoffensive-regierung-lobt-sich-verbaende-kritisieren,SPqzE7s

[BR, 23.02.2021]